Post by Werner Seeburger

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Rassistische Provinz, arrogante Stadt? Schluss damit Der Stadt-Land-Graben ist die bequemste Ausrede der Politik. Dabei kann es die Schweiz besser: mit föderalistischer Coolness. Es war, als hätten alle nur darauf gewartet. «Die Städte haben das Land wie eine Lawine einfach ausradiert bei der Meinungsbildung», sagte SVP-Präsident Marcel Dettling am Abstimmungssonntag nach der verlorenen Abstimmung über die 10-Millionen-Schweiz - und schon war die be- liebteste Leerformel in der Nachbereitung eidgenössischer Urnengänge lanciert: «Stadt-Land-Graben». Ein Drei-Wort-Kompositum, vier Silben lang. Schnell dahingesagt, wenig erklärt. Trotzdem bedienen sich beide Lager dankbar dieser Schablone. Die Rechte beklagt die angeblich linken, arroganten Städte, um die eigene Wählerschaft zu mobilisieren. Die Grünen nannten die Initiative «menschenfeindlich»; die Juso sprachen von «rassistischer Hetze»: So diffamierte man die letztlich 45,2 Prozent vor allem ländlichen Ja-Stimmen schon vor dem Urnengang. Wer spaltet, fühlt sich besser als der andere. Wer spaltet, muss nicht wirklich liefern. Der Stadt-Land-Graben ist viel zu praktisch, als dass er nicht immer wieder bemüht würde. Selbstverständlich gibt es poli- tische Differenzen zwischen Stadt und Land. Wer Abstimmungskarten liest, weiss das. Doch Differenzen sind kein Drama. Sie sind Demokratie. Und vor allem: Wer den Abstimmungssonntag auf eine Asphalt-Wiesen-Formel reduziert, übersieht, was die Schweizerinnen und Schweizer tatsächlich bewegt - und Vorstellungen davon, wie Probleme gelöst werden sollen. Gesellschaftsstudien (Demokratiemonitor 2023, «Wie geht’s, Schweiz?» 2025) erzählen jenseits des Graben-Narrativs eine fast schon versöhnliche Geschichte. 90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind überzeugt, dass das Land nur deshalb funktioniert, weil keine Gruppe allein entscheiden kann. Kompromiss als Staatsräson. Quer durch alle Regionen. 76 Prozent sind überzeugt, dass sich der Austausch mit politisch Andersdenkenden auszahlt. Einen belastenden Stadt- Land-Gegensatz nehmen bloss 30 Prozent wahr - trotz der Grabenfolklore im öffentlichen Diskurs. Was die Bevölkerung am meisten fürchtet? Den Verlust des Willens zum Kompromiss. Vieles, was die Menschen im Alltag umtreibt, hat mit dem Stadt-Land-Gegensatz wenig zu tun. An erster Stelle: die Krankenkassenprämien. 85 Prozent stufen sie als grosse Sorge ein, ohne nennenswerten Stadt-Land-Unterschied. Bei der Wohnungsknappheit fällt das Bild differenzierter aus: In den urbanen Zentren betrachten sie 75 Prozent als grosses Problem, auf dem Land 45 Prozent. Eine Differenz, ja. Aber ein Graben? Und anders als es der Diskurs über die 10-Millionen-Schweiz-Initiative womöglich vermuten lässt, lehnt auch in den Städten eine Mehrheit wei- teres Bevölkerungswachstum ab: 56 Prozent. Auf dem Land sind es 78 Prozent (Stadt-Land-Monitor Sotomo 2025). #rassistischeprovinz #arrogantestadt #stadtlandgraben #abstimmung #schlechteverlierer #svp

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