Post by Wolfgang C. G. von Meißner

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𝗠𝘂𝘀𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗮𝗹𝘀 𝗛𝗮𝘂𝘀𝗮𝗿𝘇𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗞𝗼𝗻𝘀𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻𝘇 𝗷𝗲𝗱𝗲𝘀 𝗗𝘂𝗿𝗰𝗵𝗳𝗮𝗹𝗹𝘀 𝗽𝗲𝗿𝘀𝗼̈𝗻𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘃𝗮𝗹𝗶𝗱𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻? 💩 🔜 Die Bundesregierung plant offenbar genau das. Telefonische #Arbeitsunfähigkeit (AU) abschaffen. AU-Pflicht ab Tag eins. Das klingt nach Kontrolle. Medizinisch ist es das Gegenteil: ➕mehr unnötige Kontakte, ➕mehr Infektionsrisiko, ➕mehr Bürokratie, ➕vollere Wartezimmer, ➖weniger Zeit für Menschen, die wirklich ärztliche Versorgung brauchen. Beim unkomplizierten Magen-Darm-Infekt ist die Evidenz überschaubar: Ruhe, Flüssigkeit, Schonung. Zu Hause bleiben. Andere nicht anstecken. Ich bin nicht davon überzeugt, dass ich mich zur Rettung der Volkswirtschaft persönlich von der Konsistenz der Exkremente überzeugen muss. Keine mangelnde Sorgfalt. Sondern medizinische Verhältnismäßigkeit. Marc Hanefeld hat es pragmatisch zugespitzt: Wenn künftig jede banale Infektion zwingend in die Praxis muss, bleiben betriebswirtschaftlich für die Praxis drei Standard-AU-Zeiten: ✅ 7 Tage ✅ 14 Tage ✅ in begründeten Fällen: 4 Wochen Nicht, weil Ärztinnen und Ärzte großzügiger werden. Sondern weil das System sie zwingt, mit knapper Versorgungszeit sinnvoll umzugehen. 𝗗𝗲𝗻𝗻 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗿 𝗔𝗨 𝘀𝘁𝗲𝗵𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁: »Patient darf exakt bis 17:00 Uhr am Enddatum nicht arbeiten.« 𝗗𝗼𝗿𝘁 𝘀𝘁𝗲𝗵𝘁: »voraussichtlich arbeitsunfähig bis«. Eine ärztliche Prognose. Nicht mehr und nicht weniger. Wer sich früher gesund fühlt, arbeitet früher. Eine ärztliche »Gesundschreibung« ist ohnehin (noch) nicht vorgesehen… 🤔 🔜 tägliche AU-Überprüfung? ✅ Ärztliche Kompetenz braucht es bei Warnzeichen, Risikopatient:innen, schweren Verläufen, diagnostischer Unsicherheit und Therapieentscheidungen. ❌ Nicht bei jeder banalen selbstlimitierenden Erkrankung zur »arbeitsrechtlichen Anwesenheitskontrolle«. 💩 Es entsteht Stuhlgang-Bürokratie. 𝗗𝗲𝗿 𝗯𝗲𝘀𝘀𝗲𝗿𝗲 𝗪𝗲𝗴: 1 bis 5 Tage Selbstmeldung ohne ärztliche AU-Pflicht. Nicht als Freibrief. Als Eigenverantwortung, Verhältnismäßigkeit und Ressourcenschutz. Aus eigener Erfahrung: Die Telefon-AU war nur bei in der Praxis persönlich bekannten Patientinnen und Patienten möglich. Genau das macht den Unterschied. 💡 Bei bekannten Patienten geht es nicht nur um Symptome, sondern um Kontext: Vorerkrankungen. Frühere Verläufe. Risikoprofil. Arbeitsbelastung. Erfahrung, wie zuverlässig jemand Beschwerden schildern kann. Telefon-AU bedeutet deshalb nicht automatisch weniger Information. Im Gegenteil: Sie kann fundierter sein als die Beurteilung eines unbekannten Patienten nach digitaler Triage und kurzem Videokontakt. Digitale Triage kann unterstützen. Video kann ergänzen. 𝗔𝗯𝗲𝗿 𝗞𝗼𝗻𝘁𝗲𝘅𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗱𝗶𝘇𝗶𝗻 𝗼𝗳𝘁 𝘄𝗲𝗿𝘁𝘃𝗼𝗹𝗹𝗲𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝗣𝗿𝗮̈𝘀𝗲𝗻𝘇. 💡 Mehr Pflichtpräsenz bedeutet nicht automatisch bessere Medizin. Warum die Pläne unsere Praxen Millionen unnötiger Termine kosten, habe ich der Schwarzwälder Bote Mediengruppe im Interview erklärt.

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