Post by Vlorë Krug Kryeziu
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Eine Göttin der Schönheit mit einem Regenbogen als Gürtel und einem Mörser als erotischem Symbol? Vor kurzem bin ich zum ersten Mal tiefer auf Prende gestoßen. In der albanischen paganen Überlieferung ist sie die Göttin der Morgenröte, der Liebe, der Schönheit und der Fruchtbarkeit. Eine Beschützerin der Frauen. Heute würden wir vielleicht sagen: Sie war die Göttin des Glows. Nicht des Instagram-Glows. Sondern dieses alten, erdigen, lebensnahen Glanzes. Schönheit und Sexualität können eben auch Macht sein. Prendes Tag war der Freitag. Auf Albanisch: e premte. Nach ihr benannt. Und am 26. Juli, ihrem Festtag, sollen Frauen sich besonders festlich gekleidet haben. Sie stellten Mörser und Stößel als Symbol sexueller Vereinigung aus. Man muss kurz innehalten: Eine albanische Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin, verehrt von Frauen, mit einem Ritual, das weibliches Begehren nicht versteckt, sondern sichtbar macht. Ich musste kurz schmunzeln, bevor mich eine Welle der Traurigkeit erfasste. Weil wir aus so vielen Kulturen genau diese Teile herausgeschnitten haben: die Körperlichkeit, die Erotik, die weibliche Souveränität, die Nähe zur Erde. Was nicht in die spätere religiöse Ordnung passte, wurde übermalt. Prende wurde christlich mit der heiligen Anna verbunden. Aus einer Liebes- und Schönheitsgöttin wurde eine Mutterfigur. Aus Begehren wurde Anstand. Aus Ritual wurde Moral. Und trotzdem war sie offenbar nicht einfach wegzubekommen. Von rund 275 katholischen Kirchen im Albanien des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts waren 33 ihr gewidmet. Mehr Widmungen hatten nur Maria und Nikolaus. Das sagt viel über Erinnerung. Und darüber, dass Menschen ihre alten Göttinnen manchmal unter neuen Namen weitertragen. Am meisten berührt hat mich aber dieses Detail: Der Regenbogen galt in der Volksüberlieferung als Gürtel der Prende. Und es hieß: Wer über diesen Regenbogen springt, ändere sein Geschlecht. Natur war nie Einfalt. Natur war immer Pluralität. Sie ist ein Übergang. Zyklus. Ambivalenz. Licht und Dunkel. Geburt und Vergehen. Körper und Geist. Weiblich, männlich, dazwischen, darüber hinaus. Unsere ältesten Geschichten erzählen von Sonne und Mond, Erde und Himmel, Feuer und Wasser, Tod und Wiedergeburt. Von Wesen, die zwischen Welten stehen. Von Figuren wie E Bukura e Dheut, der „Schönen der Erde“, die in manchen Traditionen als Erd- und Unterweltsgöttin verstanden wird, als Figur des Frühlings, Wachstums, Schönheit und Verwandlung. Vielleicht ist das auch mein Beitrag zum Pride Month: Nicht alles, was heute als „neu“ beschimpft wird, ist neu. Manches ist älter als die Ordnung, die es verbieten will.