Post by German Association of the Automotive Industry (VDA)
95,799 followers
Die heute von der EU-Kommission im EU Electrification Action Plan vorgestellten Elektrifizierungsziele – insbesondere das angestrebte Ziel von 46 Prozent bis 2040 - sind sehr ambitioniert und bergen das Risiko einer weiteren Überregulierung. Entscheidend ist, dass die Politik die Rahmenbedingungen, die nötig sind, damit Elektrifizierung in der Praxis gelingt, konsequenter angeht. Der Vorschlag im EU Electrification Action Plan für das künftige Preisverhältnis von Strom und Gas zahlt nicht ausreichend auf das Elektrifizierungsziel ein. Zwar ist es positiv, dass die Kommission die steuerliche Schieflage zwischen Strom und Erdgas adressiert und im Network-Charges-Vorschlag eine Regelung zur Steuerdifferenz zwischen Strom und Gas vorsieht, aber das reicht nicht aus. Es braucht vor allem eine allgemeine Absenkung der Stromsteuer für alle Verbraucher. So könnte Ladestrom günstiger und die Attraktivität der E-Mobilität erhöht werden. Ebenso wichtig ist, dass Netzentgelte künftig Elektrifizierung, Speicher, intelligentes Laden und eine flexible, systemdienliche Nutzung von Elektrofahrzeugen ermöglichen statt sie zu behindern. Die deutsche Automobilindustrie ist von den Potenzialen des BiDi-Ladens überzeugt, arbeitet mit Hochdruck an der Standardisierung des Gesamtsystems und hat bereits entsprechende Fahrzeuge auf dem Markt. Aber es bedarf adäquater Rahmenbedingungen für den Massenmarkt: einer breiten Verfügbarkeit von flexiblen und bidirektionalen Stromverträgen, der Abschaffung von Doppelbelastungen bei Stromnebenkosten sowie einer Anschlussgarantie für die Nutzer. Diesen Aspekten trägt der Plan nur unzureichend Rechnung. Zudem gilt: Eine verpflichtende Vorgabe zur Bidirektionalität für OEMs wäre kontraproduktiv. Sie würde die Komplexität und Kosten für die Industrie erhöhen, den unterschiedlichen Kundenanforderungen nicht gerecht werden und den Hochlauf der E-Mobilität eher hemmen. Dass Ladeinfrastruktur künftig intelligentes und bidirektionales Laden ermöglichen soll, ist dagegen eine gute Nachricht. Ebenfalls positiv ist, dass die Kommission noch 2026 die AFIR überprüfen will. Das ist entscheidend, um den Ausbau europaweit zu beschleunigen, denn der Nachholbedarf beim Ausbau der Lademöglichkeiten ist groß - sowohl für Pkw als auch in besonderer Weise für Nutzfahrzeuge. Dass die Kommission erstmals systematisch den Bedarf für das Depot-Laden erfassen will und Maßnahmen zur Beschleunigung bestehender Infrastrukturdefizite ankündigt, begrüßen wir. Denn damit die Elektrifizierung von Nfz-Flotten gelingt, ist eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit begleitenden Stromnetzen auch auf Betriebsgeländen nötig. Richtig ist zudem, dass die Kommission Mautbefreiungen bzw. reduzierte Mautsätze für Nullemissions-Lkw als Instrument zur Unterstützung des Markthochlaufs adressiert. Gerade im schweren Straßengüterverkehr sind Betriebskostenvorteile ein wichtiger Hebel, um Investitionen in klimafreundliche Fahrzeuge und Infrastruktur auszulösen.