Post by Ulrike Maenner-Hartung
Products that promote protection, dignity, and safety in everyday life. For patients, residents, care professionals, educational institutions, and secure facilities. | CEO & founder @ siNpress®
Sicherheit ist kein Gegensatz zu Würde Forensik und Psychiatrie werden öffentlich oft erst dann sichtbar, wenn etwas eskaliert ist. Dann geht es schnell um Gefahr, Kontrolle und Sicherheit. Seltener geht es um die Menschen, die täglich in diesem Spannungsfeld arbeiten. Teams in psychiatrischen und forensischen Einrichtungen müssen vieles gleichzeitig leisten: therapeutisch arbeiten, Risiken einschätzen, Beziehung halten, Grenzen setzen, Mitarbeitende schützen, Menschenwürde wahren. Genau deshalb braucht dieses Arbeitsfeld eine besonders differenzierte Sprache. Die DGPPN betont in ihrem Positionspapier zur Prävention von Gewalttaten, dass das Gewaltrisiko bei psychischen Erkrankungen immer im Zusammenhang mit weiteren Risikofaktoren betrachtet werden muss. Das ist wichtig, um Stigmatisierung zu vermeiden - und gleichzeitig Risiken fachlich ernst zu nehmen. Auch die DGPPN-Umfrage zum Maßregelvollzug zeigt strukturelle Belastungen: 68,5 % der Kliniken berichteten von deutlicher Überbelegung. Zudem wurden Personal- und Raummangel beschrieben. Jede dritte Klinik berichtete eine steigende Zahl körperlicher Übergriffe durch Patienten. Das zeigt: Gewaltprävention ist nicht nur eine Frage einzelner Situationen. Sie ist eine Frage von Strukturen. Wenn Räume fehlen, steigt Druck. Wenn Personal fehlt, sinkt Handlungsspielraum. Wenn Nachsorge fehlt, bleibt Belastung im Team. Wenn Standards fehlen, entsteht Unsicherheit. Forensik und Psychiatrie brauchen deshalb keine Dramatisierung, sondern belastbare Präventionskonzepte. Dazu gehören realistische Risikoeinschätzung, Deeskalation, Schutzmaßnahmen, klare Meldewege, Nachbesprechung, geeignete Schutzkleidung und eine Leitungskultur, die Übergriffe weder tabuisiert noch normalisiert. Sicherheit und Würde stehen nicht gegeneinander. In guten Konzepten schützen sie sich gegenseitig. Was brauchen Teams in Forensik und Psychiatrie jetzt am dringendsten: mehr Personal, bessere Räume, gezieltes Training, passende Schutzkleidung, konsequente Nachsorge oder klarere Sicherheitsstandards? Quellen: DGPPN-Positionspapier „Prävention von Gewalttaten“; DGPPN-Umfrage zur Situation des deutschen Maßregelvollzugs; DGUV/BGW-Handlungshilfe zur Prävention von Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte.