Post by Ulrich Ehrlenspiel

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Der Pfaueninsel-Coup Wer einen neuen Verlag gründet, braucht ein Programm. Wer eine neue Verlagsmarke etablieren will, braucht eine Geschichte. Und wer Vorurteile überwinden möchte, braucht einen Mythos. Genau das scheint der Führung von Bastei Lübbe mit der Gründung von Pfaueninsel gelungen zu sein. Denn natürlich haftet dem Unternehmen bis heute bei manchen Beobachtern das Image des ehemaligen Heftroman- und Unterhaltungsliteraturverlags an. Solche kulturellen Zuschreibungen halten sich bekanntlich länger als jede Bilanz und jeder Bestseller. Umso bemerkenswerter ist die Eleganz, mit der dieses mögliche Vorurteil bereits zum Start der neuen Marke ausgehebelt wird. Mit Florian Illies konnte einer der renommiertesten deutschen Autoren der Gegenwart für das Auftaktprogramm gewonnen werden – ein Autor, der gleichermaßen im Feuilleton, im Kulturbetrieb und auf den Bestsellerlisten zu Hause ist. Doch der eigentliche Geniestreich liegt noch eine Ebene tiefer: Illies schreibt nicht einfach irgendein Buch für den neuen Verlag, sondern einen Roman über die historische Pfaueninsel. Der Ort, der dem Verlag seinen Namen gibt, wird zugleich zum literarischen Schauplatz seiner ersten großen Veröffentlichung. Verlagsname, Stoff und Autor verschmelzen damit zu einer einzigen Erzählung. Aus einer Programmankündigung wird ein Gründungsmythos. Aus einer neuen Marke wird eine kulturelle Idee. Solche Momente lassen sich nicht mit Marketingbudgets erzwingen. Sie entstehen, wenn strategisches Denken, verlegerischer Mut und literarische Qualität zusammenfinden. Genau deshalb dürfte dieser Auftakt weit über die eigentliche Buchveröffentlichung hinauswirken. Man kann über die Zukunft von Verlagen unterschiedlicher Meinung sein. Aber man muss anerkennen, wenn eine Verlagsleitung einen Schachzug macht, der nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch kulturell klug ist. Der Start von Pfaueninsel gehört für mich genau in diese Kategorie.

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