Post by Laura Velezmoro
Pediatric Resident
Seit ich in der Kinderklinik arbeite, denke ich oft an meinen Opa. Nicht nur als Großvater, sondern als den Kinderarzt, der er war. Vergangenes Wochenende hätte er Geburtstag gehabt. Als Kind durfte ich ihn manchmal in seine Kinderklinik begleiten, wo er auch nach seiner Rente zwei Tage die Woche arbeitete, um das Team zu unterstützen. Er kniete sich hin, wenn er mit Kindern sprach. Er blies Handschuhe auf und malte Gesichter darauf, um Kinder abzulenken. Er kam in meinen Kindergarten, um Kindern die Arme einzugipsen und ihnen so die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen. Später als ich Medizin studierte, erzählte er mir oft von seinen frühen Jahren als Assistenzarzt, wie die erfahrenen Ordensschwerstern ihn im Nachtdienst mit Rat und Tat zur Seite standen und ihm so das Leben leichter machten. Als ich Jahre später selbst in dieser Klinik Praktikum machte, ermahnte er mich: Benimm dich anständig und vergiss nicht, wer das Haus am Laufen hält. Bereits an Parkinson und Krebs erkrankt und unter palliativen Bestrahlung bot er einem Pflegeauszubildenden an, die Abschlussprüfung an ihm durchzuführen. Als er ein Jahr später stab, erwiesen ihm bei seiner Beerdigung viele ehemalige Patient:innen, ärztliche Kolleg:innen und Krankenschwestern die Ehre, einige von ihnen inzwischen selbst Bewohnerinnen des Pflegeheims, in dem er seine letzten Wochen verbrachte. Das letzte echte Gespräch mit ihm hatte ich nach meinem zweiten Staatsexamen. Ich war enttäuscht, die Prüfung war nicht so gelaufen wie erhofft. Er hörte zu und meinte dann: Fachwissen allein macht keine gute Ärztin. Er hat nicht mehr erlebt, wie ich Kinderärztin wurde, aber er begleitet mich trotzdem in Patientenzimmer, Elterngespräche und Pflegevisiten. 🤍