Post by Thomas Stiegler

Europäische Kultur in Geschichten, Alltagsmomenten und Erinnerungen.

Je älter ich werde, desto öfter stelle ich fest, wie sich meine Wünsche verändert haben. Denn früher glaubte ich, das Glück liege immer im »Nächsten«. Im nächsten Ziel. Im nächsten Erfolg. In dem, was andere beeindruckt.   Heute freue ich mich über ganz andere Dinge. Über einen stillen Morgen. Ein gutes Buch. Alte Häuser. Musik. Eine Wanderung ohne Ziel. Oder über ein altes Café, in dem ich einfach eine Stunde sitzen und meinen Gedanken nachhängen kann.   Aber vielleicht ist das gar keine Frage des Älterwerdens. Vielleicht verändert sich einfach nur unser Blick auf die Dinge. Denn wo ich früher möglichst viel kennenlernen wollte, möchte ich heute manches tiefer verstehen. Wo ich früher möglichst viel lesen, hören und erleben wollte, greife ich heute lieber noch einmal zum »Stechlin« oder zu »Krieg und Frieden«. Und ich höre lieber zum hundertsten Mal eine Schubert-Sonate, als ständig nach neuer Musik zu suchen. Nicht weil mir die Neugier verloren gegangen wäre. Sondern weil ich gemerkt habe, dass Tiefe erfüllender ist als die ständige Suche nach etwas Neuem.   Vielleicht besteht genau darin einer der schönsten Vorzüge des Älterwerdens: Dass wir mit den Jahren immer besser erkennen, was unser Herz wirklich erfüllt.

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