Post by Teresa Stiens
Reporterin I Dozentin
"Allen materiellen Besitz zu verlieren, war unfassbar befreiend" Bald ist es fünf Jahre her, dass eine Flutwelle das Ahrtal verwüstete. 130 Menschen verloren in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ihr Leben. Der Winzer Lukas Sermann konnte sich retten und verlor doch alles, was er besaß. Seine Weinfässer, seine Kleidung, sein Auto. Als "Stunde Null" sieht er diesen Moment im Rückblick. Als Moment des großen Schocks aber auch als Moment, in dem er ganz neu denken konnte. Ich war vergangene Woche zum ersten Mal im Ahrtal und habe Sermann dort getroffen. Er hat sich nach der Katastrophe ein eigenes Restaurant aufgebaut, direkt an der Ahr, die vor fünf Jahren so vielen Menschen das Leben nahm. Sermanns Geschichte erzählt viel über den Umgang mit Katastrophen, über die Kunst des Neuanfangs und über die viel beschworene "Resilienz" - obwohl dieses Wort in unserem Gespräch gar nicht gefallen ist. Ich habe Sermann gefragt, ob er keine Angst hat, dass die Flut wiederkommt. Er sagt: "Es wird definitiv irgendwann wieder passieren - zu meiner Lebzeit oder danach" Er hat einen Notfallplan erarbeitet, in dem auch steht: Wegfahren und das eigene Leben retten. Er sagt, er habe ein Urvertrauen, er habe keine Angst vor dem, was kommt. "Ich weiß, dass man immer wieder neu anfangen kann." 💡 Deshalb liebe ich den Wirtschaftsjournalismus. Ich werde dafür bezahlt, dass mir Menschen wie Lukas Sermann ihre Geschichten erzählen. Von Aufbruch, von Tatkraft und von Neuanfängen. 👇 Der Text, den ich für die KNA aufgeschrieben habe, steht in den Kommentaren. Foto: Teresa Stiens