Post by Sven Nossek

Let me tell you a story... | Content-Strategist, Craft-Met-Brauer, Cenialer Typ🌻

Die Bundesregierung tritt Menschen mit chronischen Krankheiten ins Gesicht. Das Reformpaket, auf das die Bundesregierung sich heute geeinigt hat, enthält unter anderem zwei Punkte zum Thema Krankmeldung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz AU): 1. Die telefonische Krankmeldung, wenn man in der Praxis bekannt ist und keine schwerwiegenden Symptome hat, soll wegfallen 2. Die Krankmeldung soll künftig für alle ab dem ersten Tag notwendig sein, bisher war das gesetzlich erst ab dem vierten Tag nötig (wobei Unternehmen das im Arbeits- oder Tarifvertrag abweichend schon früher fordern konnten). Kritik kommt unter anderem schon von den Hausärzten, die dadurch eine zusätzliche Belastung erwarten, vor allem bürokratischer Natur. Ich persönlich frage mich auch, was der Sinn dahinter ist. Eine unbürokratische, einfache Möglichkeit sich krankzumelden trägt nachweislich dazu bei, dass Menschen gerade bei kleineren Problemen eher die Ruhe und Erholung nehmen, die sie brauchen, um aus einer kleinen Sache (z.B. einer einfachen Erkältung) keine verschleppten und in der Folge schwerwiegenderen Probleme werden zu lassen. Aber vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen bedeutet es zusätzlichen Stress, zusätzliche Wege zu Ärzten, zusätzliche Ausfallzeiten. Warum? Ich selbst habe Migräne. Bei Migräne ist, neben der Einnahme der Akutmedikation, die effektivste Maßnahme der Aufenthalt in einer ruhigen, reizarmen Umgebung. Migräne (bzw. die akute Attacke) ist nämlich eine völlige Überlastung des Nervensystems aufgrund von zu vielen Reizen. In der Regel ist eine Migräneattacke innerhalb einiger Stunden erledigt, WENN ich diese Punkte befolge: Dunkler, ruhiger Raum, Medikamente nehmen, idealerweise schlafen oder zumindest Ruhe geben. Bisher konnte ich also einfach bei Beginn einer Migräneattacke meinen Arbeitgeber informieren (ggf. beim Arzt anrufen) und mich anschließend ins Bett legen und mit hoher Wahrscheinlichkeit am nächsten Tag wieder fit sein. Wird die Reform so umgesetzt, ist das nicht mehr möglich: Ich muss mich dann in den Bus setzen (Reizüberflutung inklusive), zum Arzt fahren, mich (wenn ich noch geradeaus reden kann, weil Migräne gerne auch zu Sprachstörungen und anderen Aussetzern führt) beim Arzt persönlich krankmelden und anschließend wieder nach Hause fahren. Das dauert und bedeutet konstante, weitere Überreizung in einer Situation, in der ich möglichst alle Reize vermeiden sollte. Die Folge ist, dass die Attacke, die normalerweise recht schnell vorbei ist, deutlich länger dauert. Im blödesten Fall auch mal mehrere Tage, wobei man auch nach einer überstandenen Attacke oft noch eine Weile groggy ist (Migräne-Hangover nennt sich das). Statt also einen Tag auszufallen, wird daraus eine ganze Woche. Friedrich Merz Lars Klingbeil SPD-Bundestagsfraktion CDU/CSU-Bundestagsfraktion könnt ihr mir erklären, wie damit der Wirtschaft oder den Unternehmen in Deutschland geholfen sein soll?

Post content