Post by Susanne Kummer

IMABE, Bioethics, Director

Heute bin ich zu Gast im ORF Report. Das Thema ist die Frage, wie Jugendlichen, die ihr Geschlecht ändern möchten, medizinisch und therapeutisch am besten geholfen werden kann. Meine Kritik am geplanten Konversionstherapieverbotsgesetz: Der derzeitige Entwurf könnte dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Eltern unter Strafandrohung geraten, wenn sie den Wunsch eines Jugendlichen nach einer Geschlechtsänderung nicht ausschließlich affirmativ begleiten, sondern gemeinsam ergebnisoffen nach den Ursachen des Wunsches suchen. Vorgesehen sind Strafen von bis zu 30.000 Euro oder Freiheitsstrafen. Ein gutes Gesetz sollte jede Form von Zwang oder Druck klar verbieten und zugleich sicherstellen, dass ergebnisoffene therapeutische Gespräche weiterhin möglich bleiben. Jugendliche brauchen eine sorgfältige Diagnostik, keine vorschnellen Festlegungen. Sie brauchen eine langfristige Begleitung mit dem Ziel, ihre psychische Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Internationale Evidenzübersichten weisen darauf hin, dass die Datenlage zu den langfristigen psychischen Auswirkungen medizinischer Transitionsmaßnahmen bei Minderjährigen weiterhin begrenzt ist. Das sollte zu einer besonders sorgfältigen Abklärung ermutigen. Gerade bei Minderjährigen stellen diese wichtigen Fragen: - Welche Rolle spielen psychische Begleiterkrankungen oder traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit dem eigenen Geschlecht? Wie kann gewährleistet werden, dass alle Ursachen des Leidens sorgfältig abgeklärt werden? - Was bedeuten die internationalen Entwicklungen? Großbritannien hat nach dem Cass Review die Verschreibung von Pubertätsblockern für Minderjährige außerhalb klinischer Studien eingeschränkt. Auch Schweden und Finnland haben ihre Leitlinien überarbeitet und setzen verstärkt auf psychosoziale Begleitung. - Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass für manche medizinischen Maßnahmen bei Minderjährigen weiterhin belastbare Langzeitdaten fehlen? Gerade wenn es um Kinder und Jugendliche geht, braucht es eine sachliche, differenzierte und evidenzbasierte Diskussion. Vielen Dank an Patrick Gruska für das Gespräch in angenehmer Atmosphäre! Der Beitrag ist heute um 21:05 Uhr im Report auf ORF 2 zu sehen.

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