Post by STUZZ

484 followers

Die UBS hat ein bemerkenswertes Diskussionspapier zur Zukunft der Schweizer Altersvorsorge veröffentlicht. Ausdrücklich als Gedankenexperiment, nicht als politischer Forderungskatalog. Was daran spannend ist: Es geht nicht um die nächste kleine Korrektur beim Rentenalter, beim Umwandlungssatz oder beim Koordinationsabzug. Daniel Kalt und sein Team stellen eine grundlegendere Frage: Wie würde unser Vorsorgesystem aussehen, wenn wir es heute auf der grünen Wiese neu konzipieren könnten, langfristig nachhaltiger, transparenter und generationengerechter? Der Entwurf geht weit über eine klassische BVG-Reform hinaus. Skizziert werden unter anderem: - eine neue, kapitalgedeckte 1. Säule mit Leistungsprimat anstelle der heutigen Umlagefinanzierung: 20 Prozent Beiträge auf Löhne bis 50'000 Franken, investiert und mit einer vom Bund garantierten Rendite verzinst - eine 2. Säule für Lohnbestandteile über 50'000 Franken als reines Beitragsprimat ohne Garantien, stärker an den Kapitalmarkt gekoppelt - eine Reform der Säule 3a, bei der die heute einkommensprogressiven Steueranreize zugunsten tieferer Einkommen umgekehrt würden - eine obligatorische Pflegeversicherung als zusätzliche Absicherung im Alter So weitreichend der Entwurf ist, so ehrlich benennt das Papier auch den Preis: eine lange, teure Übergangsphase, in der eine Generation gleichzeitig die laufenden Renten und ihr eigenes Kapital finanzieren müsste. Genau diese Ehrlichkeit macht den Beitrag glaubwürdig. Man muss diesen Vorschlag nicht teilen. Aber genau solche Beiträge braucht die Schweiz. Die Altersvorsorge-Debatte bleibt zu oft bei einzelnen Parametern stecken. Dabei liegt die grosse Frage tiefer: - Welche Versprechen können wir langfristig finanzieren? - Welche Risiken sollen kollektiv getragen werden? - Wo braucht es Solidarität? - Und wo mehr Eigenverantwortung, Eigentum und Kapitalmarktpartizipation? Bei STUZZ haben wir uns bereits intensiv mit der 2. Säule beschäftigt und darüber in unserem Blog geschrieben. Viele Probleme sehen wir genau dort, wo Eigentum, Rendite, Umverteilung und Transparenz nicht sauber genug getrennt sind. Darum ist das UBS-Papier wertvoll: nicht als fertiger Masterplan, sondern als Einladung zu einer konstruktiven Debatte. Die Altersvorsorge ist zu wichtig, um sie nur zu verwalten. Wir müssen sie weiterentwickeln. UBS-Studien zur Altersvorsorge: https://lnkd.in/ehYmU4tT #Altersvorsorge #AHV #BVG #Pensionskasse #Schweiz #Vorsorge

Post content