Post by Stephanie Drescher

Geschäftsführerin bei Basiliscus Film GbR

Ein polarisierendes Thema – annehmen oder ablehnen? Kennt ihr diese Situation? Ihr bekommt eine Anfrage für ein #Filmprojekt und schon beim ersten Lesen spürt ihr: Das Thema ist schwierig, vielleicht sogar heikel. Und plötzlich stehen wir als #Filmemacher:innen vor einer Entscheidung, die gar nicht so leicht ist: Nehmen wir den Auftrag an oder lehnen wir ihn ab? So ging es uns, als wir von der »Ständigen Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum« angefragt wurden, einen Film über die »Zeugen Jehovas« zu produzieren. Meine ersten persönlichen Erinnerungen an diese Religionsgemeinschaft reichen weit zurück. Als ich Kind war, klingelten regelmäßig Zeugen Jehovas an unserer Haustür, um von ihrem Glauben zu erzählen. Auch in der Fußgängerzone standen sie, meist in kleinen Gruppen, oft grau gekleidet, blass und unscheinbar. Ich wusste nichts über diese Menschen. Und doch machten sie mich auf eine unerklärbare Weise traurig. Instinktiv machte ich einen großen Bogen um sie.   Und nun sollten wir einen Film über diese Religionsgruppe machen? Über eine Gemeinschaft, die bis heute umstritten ist.   Der Anlass für die Anfrage war jedoch ein anderer: ein geplantes Denkmal für diese Opfergruppe des Nationalsozialismus. In diesem Moment änderte sich unsere Perspektive und damit auch der Schwerpunkt der Anfrage. Es ging nicht darum, die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas zu porträtieren oder ihre Geschichte insgesamt zu erzählen. Unser Blick sollte sich auf etwas Konkretes richten: auf die Menschen, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden.   Denn unter dem NS-Regime wurden Zeugen Jehovas systematisch verfolgt, inhaftiert und ermordet. Unsere Recherche in Archiven brachte viele neue Informationen ans Licht. Schritt für Schritt wurde uns klar: Diese Geschichte ist weitgehend unbekannt und gerade deshalb wichtig zu erzählen. Zeugen Jehovas verweigerten den Hitlergruß, lehnten den Kriegsdienst ab und widersetzten sich dem Regime. Viele von ihnen leisteten Widerstand und halfen anderen Menschen – immer unter Lebensgefahr. Auch wenn wir ihren Glauben nicht teilen, wurde uns während der Arbeit immer deutlicher: Dieser Teil der Geschichte muss sichtbar sein. Und genau deshalb haben wir uns am Ende entschieden, diesen Film zu machen. Am 22. Juni 2023 beschloss der Deutsche Bundestag die Errichtung eines Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas. Heute wurde es mit einem Festakt im Großen Tiergarten eingeweiht.     #Dokumentarfilm #Documentary #Filmproduktion #TVProduktion #Storytelling #Filmemachen https://lnkd.in/gcR_gfK5

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