Post by Steffen Konrath

CEO/Founder @evAI | Semantic Analysis โ€“ Strategic insights for non-standard questions

๐—ช๐—ฒ๐—ป๐—ป ๐—ฃ๐—ฒ๐—ฟ๐˜€๐—ฝ๐—ฒ๐—ธ๐˜๐—ถ๐˜ƒ๐—ฒ๐—ป๐˜„๐—ฒ๐—ฐ๐—ต๐˜€๐—ฒ๐—น ๐—ฎ๐˜‚๐˜€ ๐— ๐˜‚ฬˆ๐—น๐—น ๐—ž๐˜‚๐—ป๐˜€๐˜ ๐˜‚๐—ป๐—ฑ ๐—ฎ๐˜‚๐˜€ ๐—ž๐˜‚๐—ป๐˜€๐˜ ๐— ๐˜‚ฬˆ๐—น๐—น ๐—บ๐—ฎ๐—ฐ๐—ต๐˜ Ein groรŸer Raubvogel sitzt auf einem Baumast. Graues Gefieder, einzeln gesetzte Federn, dunkle Augen. Tรคuschend echt. Dann bewegt man sich einen Schritt nach links und das Tier zerfรคllt. In Plastikdinosaurier, Flaschendeckel, zerbrochene Actionfiguren. Willkommen in der Welt von Thomas Deininger. ๐—™๐˜‚ฬˆ๐—ฟ ๐—ฎ๐—น๐—น๐—ฒ ๐—บ๐—ถ๐˜ ๐—บ๐—ฒ๐—ต๐—ฟ ๐—ญ๐—ฒ๐—ถ๐˜ ๐˜‡๐˜‚๐—บ ๐—Ÿ๐—ฒ๐˜€๐—ฒ๐—ป Thomas Deininger, Jahrgang 1970, wuchs in Massachusetts auf, studierte Kunst an der Salve Regina University und hรคtte vermutlich klassischer Maler werden kรถnnen. Stattdessen reiste er nach dem Abschluss durch Europa, Mittelamerika und den Sรผdpazifik und stieรŸ รผberall auf dieselbe Spur: Plastik. An abgelegenen Strรคnden, auf Deponien, in Flรผssen. Ein Besuch auf einer Mรผlldeponie in Nantucket wurde zum Wendepunkt. Heute arbeitet Deininger in einem Scheunenstudio in Tiverton, Rhode Island, auf einer Tierfarm. Vier Tage pro Woche sammelt er am Strand Abfall. Sortiert nach Farbe und Form. Verklebt mit der HeiรŸklebepistole. Seinen Ansatz nennt er "reverse Biomimicry": Er sucht nicht in der Natur nach Lรถsungen fรผr menschliche Probleme, sondern im menschlichen Abfall nach Fragmenten, die die Natur nachbilden kรถnnen. Das Ergebnis: anamorphe Skulpturen von Vรถgeln, Fischen, Insekten, viele davon bedrohte oder bereits ausgestorbene Arten. Jedes Werk funktioniert nur aus einem einzigen Blickwinkel. Von vorne: ein lebensechtes Tier. Von der Seite: ein dreidimensionales Chaos aus Konsumresten. Die Grundform entsteht in etwa einer Woche. Die Verfeinerung dauert manchmal viermal so lang. ๐— ๐—ฒ๐—ถ๐—ป ๐—ง๐—ฎ๐—ธ๐—ฒ๐—ฎ๐˜„๐—ฎ๐˜† Was mich an Deiningers Arbeit fasziniert, ist, dass er uns dazu zwingt, den Blickwinkel zu wechseln. Und genau das verรคndert, was wir sehen. Plastik wird zum Tier. Mรผll wird zur Schรถnheit. Oder auch umgekehrt. Ein Schritt zur Seite macht beides sichtbar: die Illusion und das, woraus sie besteht. Das ist vielleicht die wertvollste รœbung, die Kunst leisten kann: den gewohnten Blick auf ein vertrautes Thema so zu verschieben, dass man es neu lesen muss. Nicht weil das Vertraute falsch war. Sondern weil ein รผbersehenes Detail, ein schwaches Signal, ein Stรผck Kontext die Bedeutung manchmal grundlegend verรคndern. Wer gewohnte Themen nur aus der gewohnten Perspektive betrachtet, sieht vermutlich immer denselben Vogel. Wer sich bewegt, sieht, woraus er gebaut ist. Quellen ๐Ÿ‘‰ Science girl: https://lnkd.in/dGfUvmE6 ๐Ÿ‘‰ Bluedot Living: Interview mit Thomas Deininger https://lnkd.in/dh_iPas8 #WeakSignals #SemanticAnalysis

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