Post by Stefan Schwarzer

Regenerative Agriculture, Agroecology, Climate Landscapes

Nicht die Baumart entscheidet – sondern das Waldökosystem und sein Boden. Warum die Debatte über die Zukunft unserer Wälder mehr Differenzierung braucht Ich habe den aktuellen Beitrag von Marie Hoffmann zur EU-Naturwiederherstellungsverordnung gesehen. Dass sie sich für klimaresiliente Mischwälder einsetzt und darauf hinweist, dass wir unsere Wälder an das Klima von morgen anpassen müssen, teile ich ausdrücklich. Die Erfahrungen mit Fichtenreinbeständen zeigen deutlich, dass wir umdenken müssen. Gerade deshalb finde ich es schade, wenn eine so wichtige Debatte sehr zugespitzt geführt wird. Die Verordnung schreibt weder pauschal Buchenwälder vor, noch verbietet sie Douglasie, Esskastanie oder andere geeignete Baumarten. Diese Darstellung greift zu kurz und vermischt mögliche Folgen einer späteren Umsetzung mit dem eigentlichen Inhalt der Verordnung. Mein Eindruck ist, dass die Debatte häufig am eigentlichen Kern vorbeigeht. Wir diskutieren vor allem über Baumarten (des Förster's Blick geht nach oben) – dabei entscheidet sich die Zukunft unserer Wälder vor allem im und mit dem Boden (mein Blick geht nach unten). Denn die Klimaresilienz eines Waldes entsteht nicht allein durch die Wahl der richtigen Baumarten, sondern vor allem durch lebendige Böden mit hohem Humusgehalt, einem aktiven Bodenleben und einer guten Wasserspeicherfähigkeit. Das ist die eigentliche Versicherung gegen Dürre. Deshalb sollten wir vor allen Dingen fragen, welche Baumarten das Bodenleben fördern. Pilze, Bakterien und Regenwürmer sind die eigentlichen Architekten widerstandsfähiger Waldböden. Baumarten mit gut zersetzbarer Laubstreu und hoher biologischer Aktivität – beispielsweise viele Edellaubhölzer – leisten hier oft einen besonders wertvollen Beitrag. Nadelbäume oder auch Buche und Eiche können selbstverständlich Teil zukunftsfähiger Mischwälder sein. Entscheidend ist aber das Gesamtsystem und nicht die Dominanz einer einzelnen Baumart. Nicht nur die Baumarten entscheiden über die Zukunft unserer Wälder, sondern ebenso ihre Struktur. Ein mehrschichtiger, dauerhaft beschatteter Wald schafft ein kühles, feuchtes Waldinnenklima, schützt Bodenleben und Humus und stabilisiert damit den gesamten Wasserhaushalt. Wirtschaftlich mag der Altersklassenwald kurzfristig oft einfacher erscheinen – ökologisch ist der strukturreiche Dauerwald dem Klimawandel jedoch deutlich besser gewachsen. Aus meiner Sicht lautet die Zukunftsfrage deshalb nicht: "Welche Baumarten waren vor 200 Jahren hier heimisch?" Sondern: "Welche Waldökosysteme können unter den Bedingungen von 2050 oder 2080 dauerhaft Wasser speichern, Humus aufbauen, die Landschaft kühlen, Biodiversität fördern und gleichzeitig nachhaltig Holz liefern?" ... weiterlesen https://lnkd.in/evZiRxFn Link zu Marie Hoffmann's Post: https://lnkd.in/eNktwxhW

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