Post by Sonja Heinrichsberger
Master Politics & Technology 🎓 | UX/UI in Digital Energy Solutions⚡ | Sustainability 🌱
Dieses Jahr war ich zum ersten Mal als freiwillige Wahlhelferin im Einsatz – näher dran an unserer Demokratie war ich selten. 🌎 Drei Dinge sind mir besonders aufgefallen: 1. Viele Wählerinnen und Wähler waren unsicher, welche Möglichkeiten sie beim Kumulieren und Panaschieren tatsächlich haben – ein Zeichen dafür, dass politische Bildung noch gezielter gefördert werden sollte. 🎓 2. Viele Wähler:innen kamen mit der Haltung: „Es ändert sich ja sowieso nichts.“ Irgendwo auch nachvollziehbar: Rosenheim hatte seit 1961 (!) durchgehend einen Oberbürgermeister bzw. eine Oberbürgermeisterin der CSU. Umso schöner, dass jetzt ein SPD-Kandidat an der Spitze steht! 💡 3. Tatsächlich wurde nur in 5 von 22 kreisfreien Städten direkt eine Oberbürgermeisterin oder ein Oberbürgermeister gewählt, die Mehrheit ging in die Stichwahl. Bei dieser Stichwahl lag die Wahlbeteiligung in ‚meinem‘ Wahllokal jedoch nur bei 24 %, in den benachbarten Wahllokalen im selben Gebäude sogar noch darunter. Das fand ich sehr schade und ehrlich gesagt auch erschreckend, weil man dort die direkteste Möglichkeit hat, sich einzubringen. 📊 Gleichzeitig habe ich auch Hoffnung mitgenommen: In Rosenheim gibt es nun zum ersten Mal seit mehr als 60 Jahren einen Bürgermeister der SPD. Mein Eindruck: Abuzar Erdogan hat sehr bewusst den direkten Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern gesucht und mit ihnen über Inhalte und Programme gesprochen (ohne anderen Kandidat:innen dieses Engagement abzusprechen). Sein Sieg zeigt für mich, dass viele Menschen genau das wollen: ansprechbare Politik auf Augenhöhe und echte inhaltliche Auseinandersetzung. 💬 In München wurde außerdem der langjährige CSU-Bürgermeister von einem jungen grünen Politiker abgelöst 🎉 Das gibt mir Hoffnung: Trotz niedriger Wahlbeteiligung und spürbarem Druck von rechts gibt es viele Menschen, die Veränderung wollen und bereit sind, sie mit ihrer Stimme möglich zu machen. Für mich als Politics-&-Technology-Studentin war dieser Einsatz ein praktischer Kontrast zu vielen theoretischen Debatten: Er hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie stark Wahrnehmung („Es ändert sich eh nichts“) und reale Wirkung von Wahlen auseinandergehen können – und wie wichtig es ist, dass wir demokratische Prozesse nicht nur analysieren, sondern auch konkret mitgestalten.