Post by Nina Hartmann

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Darf ein toter Vogel einen Klinikbau verhindern? Nach dem Vortrag von Boris Palmer gestern könnte man meinen, diese Frage sei Satire. Ist sie aber nicht. Nach meinem Vortrag zur weiblichen Wirkkraft im Handwerk durfte ich Boris Palmer erleben – Oberbürgermeister von Tübingen und bekannt dafür, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Sein Vortrag „Was tun, wenn Behörden einen Vogel haben?“ war gleichermaßen amüsant wie erschreckend. Seine wahre Geschichte des Ziegenmelkers. Wegen eines einzelnen Vogels (männlich, frustriert, alleinstehend) galt auf einem Baugebiet ein umfassendes Bauverbot. Auch für das Uniklinikum Tübingen, das dringend erweitert werden sollte. Denn Baurecht unterscheidet nicht zwischen Privat-Villa und öffentlicher Infrastruktur. 2022 war der Vogel längst verschwunden – beziehungsweise wahrscheinlich gestorben. Gebaut werden durfte trotzdem nicht. Nach acht Jahren immer noch nicht! Stattdessen wurde ernsthaft darüber nachgedacht, 17 Hektar Stadtwald zu roden, um einen neuen Lebensraum für die Art zu schaffen, da der Ziegenmelker keine Bäume mag. Echt jetzt!? J aklar Ziegenmelkerausbauland war geboren. Am Ende brauchte es sogar einen amtlichen Todesschein für den Vogel. Zum Todlachen. Und gleichzeitig bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Denn hinter diesen skurrilen Beispielen steckt ein ernstes Problem deutscher Absurditäten: Immer weniger Menschen trauen sich noch, Entscheidungen zu treffen. Ermessensspielräume werden kaum noch genutzt. Statt Verantwortung zu übernehmen, entstehen Brieffreundschaften zwischen Behörden, Ministerien und Verwaltungen. Kommunales Regelungsvefreiungsgesetz sei dank! Boris Palmer brachte es auf den Punkt: Passiert irgendwo etwas, suchen wir zuerst einen Schuldigen. Danach schaffen wir eine neue Regel, damit so etwas nie wieder passieren kann. Bürokratie ad absurdum. Doch Risiko gehört zum Leben. Und Fortschritt braucht Entscheidungen. Was wir brauchen, ist eine Kultur des Ermöglichens statt einer Kultur der Verhinderung. Eine Verwaltung, die Lösungen sucht. Eine Politik, die Vertrauen schenkt. Und Behörden, die ihren Ermessensspielraum wieder nutzen dürfen. Gerade für den Mittelstand, das Handwerk und alle, die bauen, gründen oder investieren wollen, ist das längst keine theoretische Diskussion mehr. Es entscheidet darüber, ob wir Zukunft gestalten – oder verwalten. Herzlichen Dank an Cornelia Rupp-Hafner und für die Einladung zu den badischen Bau- und Ausbautagen, die hervorragende Organisation, den inspirierenden Austausch und den wunderschönen Galaabend. Es war ein Abend voller Impulse – mit viel Humor, klugen Gedanken, Netzwerken und der Erkenntnis, dass Veränderung möglich ist. Wenn wir den Mut haben, sie zuzulassen. #Handwerk #mittelstand #bürokratieabbau #netzwerk

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