Post by Simone Biermeier

Director | Finance & Strategy | Driving Commercial Impact | Energy Infrastructure | E.ON

Nur 8% der Deutschen glauben, dass es der nächsten Generation einmal besser gehen wird. Diese Zahl hat mich heute auf dem Handelsblatt Kongress Datacenter-Standort Deutschland nicht losgelassen. Denn eigentlich ging es dort um Rechenzentren. Am Ende ging es für mich aber um eine viel größere Frage: Sind wir noch ein Land, das an seine eigene Zukunft glaubt? Bei den Herausforderungen rund um den Ausbau digitaler Infrastruktur herrschte weitgehend Einigkeit: fehlende Flächen, langwierige Genehmigungsverfahren, der notwendige Ausbau der Energie- und Netzinfrastruktur sowie die Sicherung gesellschaftlicher Akzeptanz. Spannend fand ich aber vor allem die Diskussionen darüber, wo wir bereit sind, über bestehende Denkmuster hinauszugehen. Nicht jede Idee wird funktionieren. Nicht jeder Ansatz passt auf jedes Datacenter. Aber neue Wege entstehen nur, wenn wir bereit sind, mehr Optionen zuzulassen als die, die wir heute schon kennen. 1️⃣ Ein Gedanke, von dem ich fest überzeugt bin: Rechenzentren müssen stärker als Teil des Energiesystems gedacht werden. Für viele Projekte ist nicht die Frage entscheidend, ob Energie verfügbar ist, sondern wann sie am konkreten Standort verfügbar wird. Genau deshalb werden integrierte Energiekonzepte aus Netzanschluss, lokaler Erzeugung, Speichern, intelligentem Energiemanagement und Abwärmenutzung immer wichtiger. Sie schaffen zusätzliche Handlungsspielräume und helfen dabei, die Time-to-Power zu verkürzen. 2️⃣ Besonders spannend fand ich den Beitrag von Mathias Huebner von K+S. K+S prüft, ob ehemalige Bergwerksbereiche künftig als Standorte für Rechenzentren genutzt werden können. Die Idee dahinter: vorhandene Infrastruktur, hohe Sicherheitsstandards, Expertise bei Temperaturführung und Kühlung sowie bereits erschlossene Standorte neu zu nutzen. Ob sich das am Ende durchsetzt, weiß ich nicht - aber in Norwegen und den USA ist es bereits Realität. 3️⃣ Der ungewöhnlichste Gedanke des Tages kam aus dem Orbit. Elon Musk vertritt die These, dass KI-Rechenleistung künftig wirtschaftlich im Weltraum betrieben werden könnte. Gleichzeitig hat Dr. Walther Pelzer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sehr eindrucksvoll erläutert, welche technologischen und wirtschaftlichen Hürden dafür noch zu überwinden sind. Mein Learning daraus war nicht, dass wir 2030 Rechenzentren im All haben werden. Aber dass wir wieder mehr Raum für Ideen brauchen, die auf den ersten Blick unrealistisch erscheinen. Datacenter sind die Fabriken des digitalen Zeitalters. Es gibt viel zu tun. Aber heute hatte ich das Gefühl, dass die richtigen Menschen bereit sind, es anzupacken. 📷 Foto: Handelsblatt Datacenter-Standort Deutschland / Lea Greub

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