Post by Silke Otto
Founder and Managing Director WERTEFABRIK GmbH l Expert values-based Organizational Transformation and Leadership I Coach & Logotherapist I 🎙️Podcast Host „Bemerkenswert” I Humanist I Cosmopolitan I Music Aficionado I
“We have to create our own good world and continue with our own good work.” — Patti Smith Ich habe diesen Satz heute gelesen. Draußen in der Sonne. Das Buch auf den Knien. Und obwohl ich eigentlich einfach weiterlesen wollte, bin ich an diesen wenigen Worten hängen geblieben, weil sie sich jeder Dramatik verweigern. Sie versprechen keine bessere Zukunft. Sie liefern keine Analyse der Weltlage. Sie geben keine Anleitung, wie wir die großen Krisen unserer Zeit lösen. Sie lenken den Blick auf etwas viel Näherliegendes. Auf die Welt, die wir selbst erschaffen. Ich frage mich oft, warum wir so schnell das Gefühl entwickeln, ohnmächtig zu sein. Vielleicht, weil wir täglich mit Problemen konfrontiert werden, die größer sind als wir selbst. Kriege, gesellschaftliche Spaltung, Klimawandel, politische Extreme. Es scheint, als müsse man die ganze Welt verändern, damit sich überhaupt etwas bewegt. Wenn nur noch das Große zählt, erscheint das Kleine bedeutungslos. Dabei besteht unser Leben fast ausschließlich aus dem Kleinen. Aus Gesprächen. Aus Blicken. Aus Entscheidungen. Aus dem Ton, den wir anschlagen. Aus der Art, wie wir Menschen begegnen, die uns nichts schulden. Aus der Geduld, die wir aufbringen, obwohl wir selbst müde sind. Ich glaube, wir unterschätzen diese alltäglichen Momente, weil sie keine Schlagzeilen schreiben. Niemand berichtet darüber, wenn jemand freundlich bleibt, obwohl der Tag schwer war. Niemand applaudiert, wenn jemand zuhört, statt sofort zu urteilen. Niemand misst den Wert eines Menschen daran, wie viel Vertrauen, Zuversicht oder Würde er in seinem unmittelbaren Umfeld entstehen lässt. Und doch prägen genau diese Dinge das Klima, in dem wir leben. Eine Gesellschaft entsteht nicht nur durch Gesetze oder politische Entscheidungen. Sie entsteht jeden Tag zwischen Menschen. Ich glaube, wir sehnen uns deshalb so oft nach den großen Veränderungen, weil sie spektakulärer wirken als die kleinen. Doch jede große Veränderung beginnt in einer Haltung. In der Entscheidung, sich nicht vom Zynismus anstecken zu lassen. Sich nicht von der Härte der Zeit verhärten zu lassen. Den eigenen Kompass nicht danach auszurichten, was gerade laut ist, sondern danach, was richtig erscheint. Patti spricht nicht davon, die Welt zu retten. Sie spricht davon, die eigene gute Welt zu erschaffen. Das klingt zunächst bescheiden. Fast zu bescheiden. Je länger ich darüber nachdenke, desto radikaler erscheint mir dieser Gedanke. Denn er nimmt jede Ausrede. Er erinnert mich daran, dass ich nicht für alles verantwortlich bin - was bei mir ziemlich wichtig ist 😉 - aber immer für die Atmosphäre, die ich hinterlasse. Für die Menschen, denen ich begegne. Für die Arbeit, die ich tue. Für die Worte, die ich wähle. Für die Haltung, mit der ich durchs Leben gehe. Ich möcht jeden Tag aufs Neue, meinen kleinen Teil der Welt zu einem guten Ort zu machen. Macht Ihr mit?