Post by Sebastian Pape
Konflikte sind keine Bedrohung. Sie sind ein Angebot, sich zu zeigen. Ich helfe dir, es zu nutzen, um für Klarheit zu sorgen. Grenzen setzen heißt Ziele erreichen.
Respekt verschaffen ohne Worte Vor einigen Jahren wurde in Bremen der Film „Neue Vahr Süd“ gedreht, und ich war als Statist dabei. Zum Casting trug ich einen meiner 70er -Jahre Secondhand-Anzüge, das kam gut an. Vom Fleck weg wurde ich für sieben Drehtage gebucht und gebeten, doch auch meine anderen Anzüge mitzubringen. Tagesgage fünfundzwanzig Euro. So geht Lean Management. Mein erster Dreh begann um zehn Uhr abends auf der Sielwallkreuzung, die zu diesem Zweck komplett gesperrt war. Für Nicht-Bremer: der Sielwall ist bei uns Legende, ein Symbol des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Schaufenster eines ziemlich offenen Drogenhandels. Es war Februar und richtig kalt. Das erste Briefing fand in einem leerstehenden Restaurant statt. Reichlich hundert Leute jeden Alters und jeder Couleur drängten sich zusammen und waren ganz scharf auf das kalte Büffet. Genau zuhören, den Anweisungen folgen und nicht in die Kamera kucken. Dann ging`s raus auf die Straße. Die Läden rundherum waren im Stil der Achtziger zurechtgemacht, die Kreuzung stand auf allen vier Seiten voll mit alten Autos. Unsere Anweisungen erhielten wir von Annett, Anfang dreißig, hellblonde Haare, maximaler Berliner Slang, wahrscheinlich aus Heidelberg. Herb, streng, gnadenlos. Wie sieht n ditte aus? Haare unter den Hut. Mach die Jacke auf. Wat sind dit denn für scheiss Schuhe? Meine Aufgabe: Zeitgleich mit dem Hauptdarsteller mit dem Fahrrad um die Ecke fahren. Natürlich fuhren dann auch alle sechzehn Autos los, und an jeder Ecke latsche irgendwer durchs Bild. Straßenszenen halt. Wenn man dabei ist, echt erstaunlich kompliziert. Alle Autos noch mal auf Anfang. Blöd, wenn eins nicht anspringt. Fluchen und schieben. Fluchen konnte Annett richtig gut. Irgendwer meinte, die muss unbedingt mit der Kokserei aufhören. Nachdem sie mir zum dritten Mal erklärt hatte, was ich machen soll, fragte sie mich im Weggehen: „Sind sie vorher schon mal Fahrrad gefahren?“ Ich schluckte runter und hielt die Klappe. Aber sie kam extra noch mal drei Schritte zurück: „Sie sind der Einzige hier am Set, den ich sieze...keine Ahnung, warum.“ „Das können wir gerne so beibehalten.“ Mit Schauspielern, Kamerateam und Technikern wahrscheinlich hundertfünzig Leute beim Dreh, und ich bin der Einzige, den Annett siezt. Irgendwas mache ich wohl richtig in punkto Körperspache, und darum erzähle ich das überhaupt: Respekt gewinnt man nonverbal. Oder gar nicht. #sebastianpape #respekt #körpersprache