Post by Sebastian Dietz

Fahrzeuge müssen mit allen Sinnen bewertet werden.

Carbon ist nicht automatisch ein Fall für den Austausch. Mit dem zunehmenden Einsatz von Faserverbundwerkstoffen wie CFK (Carbon) und GFK steigen auch die Anforderungen an die technische Schadenbeurteilung. Was früher überwiegend im Motorsport oder in der Luftfahrt zu finden war, gehört heute bei Sportwagen, Elektrofahrzeugen, Reisemobilen, Nutzfahrzeugen und zahlreichen Sonderfahrzeugen zum Fahrzeugalltag. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder, dass beschädigte Carbonbauteile vorschnell als nicht reparabel eingestuft und ersetzt werden. Dabei können viele Struktur- und Anbauteile – abhängig von Schadensart, Schadensausdehnung und Herstellervorgaben – fachgerecht instand gesetzt werden. Angesichts der oftmals sehr hohen Ersatzteilkosten stellt dies nicht nur eine technisch gleichwertige, sondern häufig auch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung dar. Voraussetzung hierfür ist jedoch eine fundierte technische Bewertung. Eine rein optische Begutachtung reicht bei Faserverbundwerkstoffen in den meisten Fällen nicht aus. Erst eine zerstörungsfreie Prüfung ermöglicht es, verborgene Schäden wie Delaminationen, Matrixrisse, Faserbrüche oder Ablösungen innerhalb des Laminataufbaus zu erkennen und hinsichtlich ihrer Ausdehnung zu beurteilen. Auf dieser Grundlage kann anschließend objektiv entschieden werden, ob eine Instandsetzung nach den anerkannten Regeln der Technik möglich ist oder ein Austausch erforderlich wird. Ein Schwerpunkt unseres Sachverständigenbüros liegt in der Begutachtung von Faserverbundwerkstoffen. Dabei bewerten wir nicht nur die technische Reparaturfähigkeit, sondern auch die Wirtschaftlichkeit möglicher Instandsetzungsverfahren unter Berücksichtigung der Herstellervorgaben und des konkreten Schadensbildes. Dieses Fachwissen geben wir darüber hinaus regelmäßig im Rahmen von Fachschulungen an Sachverständige weiter. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zeigt immer wieder, wie wichtig fundierte Materialkenntnisse und moderne Prüftechniken für eine objektive und belastbare Schadenbeurteilung geworden sind. Die entscheidende Frage lautet daher häufig nicht „Reparatur oder Austausch?“, sondern zunächst: „Wie sieht der Schaden im Inneren des Laminats tatsächlich aus?“ Ich bin überzeugt, dass die Bedeutung von Faserverbundwerkstoffen in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird – und damit auch die Notwendigkeit einer qualifizierten, wirtschaftlich orientierten Schadenbeurteilung.

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