Post by Sascha Walleser
Lieferanteneskalationen | Lieferperformance | Interim Procurement Leadership
Case Study aus dem Einkauf im Maschinenbau, - 77% Einsparung bei einem einzigen Teil. Ich startete ein Projekt bei einem mittelständischen Schweizer Maschinenbauer. Das Ziel: Materialkosten bei Dreh- und Frästeilen zu senken. Tag 2 im Projekt. Schritt 1: Schnelle Vorauswahl (Quick Scan) Ich ging durch die Stückliste und pickte mir auffällige Teile raus, rein über Erfahrung, Bauchgefühl, Geometrie, Komplexität, Vergleichswerte. Ein Teil fiel mir dabei sofort auf: ↳ Frästeil, ca. 500 x 120 x 40 mm ↳ Mehrere Fräsabsätze, 2 grössere Bohrungen ↳ Rissgeprüft und Oberflächenveredelung ↳ Preis: 16.000 CHF pro Stück Für mich war klar: da passte was nicht. Schritt 2: Technische und kaufmännische Analyse Ich ging tiefer rein: ↳ Habe Geometrie und Bearbeitungsaufwand bewertet ↳ Den Materialeinsatz abgeschätzt ↳ Die Fertigungszeiten grob kalkuliert ↳ Den Benchmark mit vergleichbaren Teilen gemacht Das Ergebnis: Sollkosten lagen maximal bei ~7.000 CHF. Schritt 3: Lieferantengespräch auf Augenhöhe Ich ging nicht mit Vorwürfen rein, sondern mit Fakten und Struktur: ↳ Offene Ansprache meiner Kostenlogik ↳ Klare Erwartung an Transparenz ↳ Klares Ziel: Verständnis, nicht Eskalation Schritt 4: Offenlegung der Kalkulation Der Lieferant legte seine Kalkulation offen. Das kam dabei raus: ↳ Sicherheitszuschläge wegen unklarer Mengen ↳ Und entscheidend: Es ist der PROTOTYPENPREIS Schritt 5: Ursache im Einkauf identifiziert Interne Prüfung ergab: ↳ Der Preis wurde im SAP nie auf die Serie umgestellt ↳ Der Prototypenpreis lief einfach weiter (egal bei welcher Stückzahl) Schritt 6: Neuverhandlung & Korrektur ↳ Serienpreis wurde neu verhandelt: 4.500 CHF pro Stück ↳ Rückwirkende Gutschriften wurden vereinbart ↳ Klare Preislogik für zukünftige Abrufe wurde definiert Das Ergebnis: Von 16.000 CHF auf 4.500 CHF pro Stück. Bei 50 Stück/Jahr sprechen wir hier über >500.000 CHF Einsparung. Was hier wirklich entscheidend war: ✅ Schnelles Erkennen von „unlogischen“ Preisen ✅ Fähigkeit, Teile kostenlogisch zu bewerten ✅ Strukturierte Gespräche statt emotionaler Eskalation ✅ Transparenz beim Lieferanten aktiv einfordern ✅ Interne Fehler genauso klar adressieren wie externe Und dann die unbequeme Frage: Der Lieferant hat wissentlich weiter Prototypenpreise für Serienmengen berechnet. Ich war erst klar dafür „raus damit“. Entschied mich dann aber bewusst dagegen, weil wir eine saubere Lösung auf Augenhöhe gefunden haben. 👉 Bin gespannt, wie hättest du hier entschieden? (♻️ Gerne teilen um andere unterstützen) Nicht vergessen, dass du jeden meiner Beiträge speichern kannst, indem du oben rechts auf die drei Punkte (…) klickst. So kannst du jederzeit auf meine Beiträge als Referenz zurückgreifen. Sende mir einfach hier auf LinkedIn eine DM. Dann können wir chatten, über Teams sprechen oder uns persönlich austauschen. Teile gern Ideen, Beispiele oder Erfahrungen mit Gleichgesinnten 👍