Post by Sabine Lanius
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Reden wir kurz über den offenen Stellenmarkt. Viele Führungskräfte sind da heute immer noch unterwegs. Verständlich – nur funktioniert er nicht mehr so wie früher. Vakanzen sind heute oft nach zwei, drei Tagen wieder offline – gerade bei größeren, namhaften Unternehmen. Nicht, weil die Stelle schon besetzt wäre, sondern weil dann genug passende Profile im Topf sind. Früher waren Stellen zwei bis vier Wochen sichtbar. Genug Zeit, um in Ruhe zu schauen, zu überlegen, am Wochenende die Bewerbung sauber aufzusetzen. Diese Zeiten sind vorbei. Das verändert die Spielregeln. Besonders für erfahrene Führungskräfte 45+. Und der Punkt ist hier nicht das Alter, sondern die 𝗷𝗮𝗵𝗿𝘇𝗲𝗵𝗻𝘁𝗲𝗹𝗮𝗻𝗴𝗲 𝗚𝗲𝘄𝗼𝗵𝗻𝗵𝗲𝗶𝘁: Viele gestandene Executives haben nie aktiv suchen müssen. Der Headhunter rief an, das Netzwerk trug, Anzeigen liefen lange genug. Man konnte reagieren, wenn es gerade passte. Heute ist das Fenster oft maximal 72 Stunden offen. Und genau die Gruppe, die sich am stärksten auf den offenen Markt verlässt, trifft das am härtesten – nicht, weil ihr Zeitfenster kürzer wäre als bei anderen, sondern weil ihr gewohntes Verhalten daran zerschellt. Was ich in der Praxis sehe: Nach einem Jobverlust geht der erste Blick reflexhaft auf die Jobportale. Man wartet auf die richtige Anzeige. Und die eigene Positionierung wird erst dann geschärft, wenn etwas Konkretes auftaucht. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Und genau hier liegt heute das Risiko. Was heißt das konkret für Executives in Neuorientierung? 𝟭. 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝗼𝗻𝗶𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗺𝘂𝘀𝘀 𝘃𝗼𝗿𝗵𝗲𝗿 𝗱𝗮 𝘀𝗲𝗶𝗻. Drei Tage reichen nicht, um sich erst dann zu sortieren. Wer nicht in dem Moment, in dem die Anzeige erscheint, sein Profil, seine Unterlagen und seine Nutzenstory parat hat, ist faktisch draußen. 𝟮. 𝗗𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗰𝗵𝘁𝗯𝗮𝗿𝗲 𝗔𝘂𝘀𝘀𝗰𝗵𝗿𝗲𝗶𝗯𝘂𝗻𝗴 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝗵𝗲𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗘𝗻𝗱𝗲, 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗔𝗻𝗳𝗮𝗻𝗴. Wenn eine Top-Position öffentlich erscheint, ist meist schon vorsondiert worden – intern oder über das Kontaktnetz. Die kurze Laufzeit ist oft eher eine Formalie als der eigentliche Start der Suche. Auf Executive-Ebene werden die interessanten Mandate ohnehin selten über Stellenportale vergeben – sie laufen über Kontakte, Direktansprache und vertraute Kreise. 𝟯. 𝗪𝗲𝗿 𝘄𝗮𝗿𝘁𝗲𝘁, 𝘄𝗶𝗿𝗱 𝘂̈𝗯𝗲𝗿𝘀𝗲𝗵𝗲𝗻. Sich darauf zu verlassen, dass sich der Headhunter von früher meldet, funktioniert für erfahrene Führungskräfte heute kaum noch. Der verdeckte Markt war immer wichtig – jetzt ist er dominant. Wer in der Neuorientierung ist, muss selbst in Bewegung gehen: Gespräche suchen, sichtbar werden, Kontakte aktiv halten, bevor es konkret wird. Nicht hektisch. Aber wach. Wenn das Schaufenster nur drei Tage offen ist, reicht es nicht, der Schnellste am Schaufenster zu sein. Übrigens: Meine Klienten sind längst im Laden, bevor die Scheibe poliert wird. ;-)