Post by Rüdiger Scharf
Kommunikationschef /Reputationmanagement / Dozent & Trainer
Wir müssen reden. Wir müssen denken. Wenn der Prompt zum Problem wird. Zwei Schlagzeilen im DER SPIEGEL. Ein Thema. Ein renommierter Politiker und ein angesehener Journalist stehen in der Kritik, weil beide Texte unter ihrem Namen veröffentlicht haben, die von einer KI erstellt wurden / sein sollen. OHNE Kennzeichnung. Bislang kannten wir solche Schlagzeilen von Doktorarbeiten, bei denen der Vorwurf des Plagiats so groß wurde, dass Politiker_innen zurücktreten mussten. Fragen wir Chat GPT, werden diese Top-Beispiele genannt: Karl-Theodor (KT) zu Guttenberg (CSU): Der ehemalige Bundesverteidigungsminister trat 2011 zurück, nachdem ihm massiver Ideenklau in seiner Dissertation nachgewiesen wurde und die Universität Bayreuth ihm den Doktortitel entzog. Annette Schavan (CDU): Die damalige Bundesbildungsministerin trat 2013 zurück, nachdem die Universität Düsseldorf ihr den Doktortitel wegen Plagiaten aberkannt hatte. 👉 Franziska Giffey (SPD): Als Bundesfamilienministerin legte sie 2021 ihr Amt nieder, nachdem die Freie Universität Berlin ihre Doktorarbeit nach erneuter Prüfung widerrufen hatte. DER SPIEGEL selbst geriet in eine Reputationskrise durch ihren damaligen Reporter Claas Relotius. Er hat im Jahr 2018 gestanden, in großem Umfang Reportagen und Interviews für das Nachrichtenmagazin frei erfunden und manipuliert zu haben. Der Fall gilt als einer der größten Medienskandale in Deutschland. Am 11. und 12. Juni 2026 zwei Schlagzeilen aus dem SPIEGEL mit neuer Dimension. Es geht um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz bei Texten. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt soll in der Frankfurter Allgemeine Zeitung Zitate genutzt haben, die der KI zugeschrieben werden. Und der ehemalige Chefredakteur des Verlag Der Tagesspiegel , Stephan-Andreas Casdorff ließ Meinungsartikel von der KI schreiben und hat sich dafür jetzt entschuldigt. Wer Voigt und Casdorff persönlich erlebt oder in Talkshows gehört hat, weiß: Beide sind blitzgescheit und rhetorisch versiert. Sie bräuchten keine KI für ihre Kommentare - und sind doch in eine Falle getappt oder konnten der süßen Versuchung von ChatGPT und Co. nicht widerstehen. Was heißt das für uns Kommunikator_innen? In den vergangenen Tagen haben Klaus Eck, Dirk Benninghoff, Merle Florstedt Volker Thoms vermehrt ihre Gedanken zur Nutzung der KI auf LinkedIn UND in der PR und Pressearbeit geteilt. Für mich und mein Team der DAK-Gesundheit ist das ein TOP-Thema der nächsten Zeit. Wir machen gerade die ersten vorsichtigen Gehversuche mit der künstlichen Intelligenz. Eine Erkenntnis für die Kolleginnen und Kollegen: „Ich kann im Prompt ja einfach fragen, was ein guter Prompt ist…“ Ich muss noch immer über diesen Satz nachdenken. Und möchte antworten: Perfekte PR und Pressearbeit ist mehr als ein kluger Prompt. Perfekte PR und Pressearbeit ist auch Bauchgefühl, Kreativität, Individualität, Netzwerk. Wir müssen denken. Wir müssen reden. 👉 Die Grafik mit den SPIEGEL-Berichten hat ChatGPT erstellt.