Post by Roland Römhildt

Persönlicher Referent des Präsidenten & Referent für Internationale Beziehungen bei Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften | Polt. Theorie & Ideengeschichte

Vor ein paar Monaten habe ich hier angekündigt, noch etwas mehr über meine Dissertation zu schreiben. Dann kam, sagen wir: eine längere LinkedIn-Ermüdung dazwischen. 😴 Es gab immer wieder Themen und Anlässe. Aber stets überwog der Gedanke, dass mir ein Post darüber schnell zu performativ würde, um ein Modewort zu verwenden. Wobei: Das so zu schreiben, ist vermutlich auch schon wieder performativ. 🙆‍♂️ 🍺 Gestern nun las ich in der FAZ mit einiger Zustimmung einen Vorschlag von Wolfgang Schroeder, 10.000 Kneipen als Orte der Begegnung und Demokratiestärkung zu schaffen. Das passte erstaunlich gut zu einem Grußwort, das ich letzten Donnerstag bei einer Kooperationsveranstaltung der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit dem Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin und der Konrad-Adenauer-Stiftung unter dem Titel „Unwahrscheinliche Allianzen und mutige Zukunftsbilder" gehalten habe. 📖 Für Neugierige ist mein Text nun online: https://lnkd.in/gT_-iUV8 🚰 Schroeders Kneipen-Vorschlag ist für mich weniger als Plädoyer für 10.000 Zapfhähne interessant, sondern als Erinnerung daran, dass Demokratie auch niedrigschwellige dritte Orte braucht: alltäglich, einfach zugänglich und mit einem ganz unterschiedliche Typen ansprechenden Angebot. 🏛️ Entsprechend ging es in meiner Wortmeldung nicht darum, noch einmal allgemein über Zuhören, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sprechen. Solche Einlassungen gibt es eher zu viel. Interessanter scheint mir die konkretere Frage, wie Institutionen – ob aus Wissenschaft, Politik oder Kultur – aus den eigenen Routinen herauskommen und Räume schaffen können, in denen Begegnung nicht nur behauptet, sondern konkreter und langfristiger möglich wird. Denn auch in gut gemeinten institutionellen Formaten sprechen wir oft über diejenigen, die nicht da sind. Das ist nicht falsch, aber auf Dauer unzureichend. Wenn bestimmte Räume gar nicht erst als eigene Räume wahrgenommen werden, hilft auch die nächste kluge Podiumsdiskussion nicht weiter. 💬 LinkedIn ist dem nicht unähnlich: Viele sind hier, noch mehr andere aber nicht; manches verbindet uns, das meiste bleibt Milieukommunikation. Zugleich kann man hier, wenn man es nicht beim Sichtbarkeitsritual belässt, Gedanken prüfen, Widerspruch einsammeln und gelegentlich aus den eigenen Routinen herausfinden. LinkedIn ersetzt also keine Kneipe. Auch keine Marktplätze, Vereinsräume, Gemeindehäuser, Bibliotheken, Akademien, Gotteshäuser oder andere Orte, an denen Menschen einander regelmäßig begegnen. Aber vielleicht ist es kein ganz schlechter Ort, um sich darüber auszutauschen, warum genau das nicht reicht. So viel zum Wiedereinstieg: Ab jetzt gibt es hier wieder ab und zu Content – versprochen. 😇 Joachim Klose, Jens Mätschke-Gabel EKBO - Evangelisch im Osten

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