Post by Robert Pap
Sparring Partner for decisions you cannot delegate | When there are too many issues to deal with at once – and nothing is moving forward
Die wichtigste Entscheidung in Führungsfragen ist oft nicht das, was wir tun. Sondern das, was wir einem anderen Menschen zutrauen. Gestern im Freibad wurde mir das als Vater auf sehr persönliche Weise bewusst. Ich war mit meinem vierjährigen Sohn allein unterwegs. Hitzerekord, das Bad voll. Und dann fiel mir auf: Ich hatte seine Schwimmflügel vergessen. Mein erster Gedanke war Ärger. Der zweite war: Schauen wir einmal, was trotzdem möglich ist. Im großen Becken konnte er am Rand gerade stehen. Ich ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Aber ich griff auch nicht sofort ein. Nach und nach begann er, seine Grenzen selbst zu erkunden. Wie weit darf ich mich von Papa entfernen? Was traue ich mir zu? Irgendwann wollte er auf die große Rutsche. Ohne Schwimmflügel. Er war mit Abstand der Kleinste in der Schlange. Unten fing ich ihn jedes Mal auf. Nach zwanzig Rutschfahrten sagte ich mit einem Schmunzeln: „Jetzt bist du bestimmt müde. Wir machen eine Pause.“ Die Antwort kam sofort: „Nein!“ Also rutschte er weiter. Am Ende waren es weit über hundert Fahrten. Mit jeder einzelnen wurde er sicherer. Er bewegte sich nach dem Eintauchen immer selbstständiger durchs Wasser, sprang auf Zehenspitzen zurück zur Treppe und wollte einfach weitermachen. Nicht, weil ich ihn motiviert hätte. Sondern weil er sich selbst etwas zutraute. Später beobachtete ich andere Familien. Dort wurden Kinder, die etwas älter waren als mein Sohn, nach jeder Rutschfahrt wieder an der Hand zur Treppe begleitet. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht war es Gewohnheit. Vielleicht Fürsorge. Vielleicht einfach eine andere Haltung. Die entscheidende Frage war gestern nicht, ob mein Sohn schwimmen konnte, sondern: Vertraue ich darauf, dass er an einer Herausforderung wachsen kann, während ich aufmerksam bleibe? Oder folge ich meiner eigenen Angst, dass etwas passieren könnte, und nehme ihm dadurch genau die Erfahrungen, an denen er wachsen würde? Vielleicht beginnt Führung genau dort. Nicht bei Methoden, Delegation oder Feedbackgesprächen. Sondern bei der inneren Haltung, mit der wir entscheiden, wie viel Vertrauen wir einem Menschen schenken, bevor er bewiesen hat, dass er es verdient. Wo beginnt für Sie Vertrauen – beim anderen oder bei der eigenen Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten?