Post by Daniel Lambert

Retail-Poet, 30+Jahre Retail, Lifestyle & Hospitality. Habitat • Lambert • Kartell • Kaufhof • KPM. Wie gewinnt man Besuchern und macht Besucher zu Kunden und warum Marken und Geschäfte geliebt werden

Heute wurde über Email durch die aktuelle Geschäftsführung die Nachricht verbreitet, dass die ehemalige Gunther Lambert GmbH / heutige Lambert GmbH zum 30. Juni 2026 ihre Geschäftstätigkeit endgültig einstellen wird. Diese Nachricht berührt mich persönlich. Die Firma wurde von meinem Vater gegründet und über viele Jahre zu einer bekannten deutschen Lifestyle- und Einrichtungsmarken aufgebaut. Was als unternehmerische Idee begann, entwickelte sich zu einer Marke, die für Individualität, Handwerk, internationale Einflüsse und eine besondere Art des Wohnens stand. Für viele mag dies nur eine weitere Unternehmensmeldung sein. Für mich endet damit ein weiteres Kapitel deutscher Einrichtungsgeschichte. Nach dem Ausscheiden des Gründers und dem späteren Übergang in neue Eigentümer- und Führungsstrukturen blieben Name, Bekanntheit und Marktpräsenz lange erhalten. Und doch hatte ich über die Jahre zunehmend den Eindruck, dass etwas mehr und mehr verloren gegangen war, das sich weder in Bilanzen noch in Organigrammen messen lässt: die ursprüngliche Idee, die Haltung, der Umgang mit Lieferanten und Mitarbeitern und der Charakter, die diese Marke einst geprägt hatten. Mit dem Verschwinden solcher Unternehmen verlieren wir nicht nur Produkte. Wir verlieren Geschichten, Beziehungen, Wissen und ein Stück kulturelle Identität des europäischen Lifestyle-Marktes. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind zweifellos schwierig. Konsumzurückhaltung, Strukturwandel im Handel, steigende Kosten und ein verändertes Kaufverhalten treffen viele Unternehmen mit voller Wucht. Dennoch stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wann hört eine Marke auf, von ihrer Idee geführt zu werden. Viele der großen Lifestyle-Marken Europas wurden nicht von Finanzmodellen aufgebaut. Sie entstanden aus Überzeugung. Aus einem Gespür für Design. Aus einem Verständnis von Qualität. Aus einer klaren Vorstellung davon, wie Menschen leben möchten. Wenn dieser Kern verloren geht, helfen oft auch Restrukturierungen, Sanierungen und neue Organisationsmodelle nur noch begrenzt. Die Geschichte dieser Marke erinnert mich daran, dass Marken nicht allein an Bilanzen gemessen werden sollten. Denn eine Bilanz kann man sanieren. Eine Markenidee nicht immer. Einen verlorenen Nimbus nie. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis für die gesamte Branche: Eine starke Marke entsteht durch eine Idee. Und sie bleibt nur dann stark, wenn diese Idee wichtiger bleibt als ihre kurzfristige Monetarisierung. Ich bedaure das Ende dieser Marke sehr. Nicht nur als Sohn ihres Gründers, sondern auch als jemand, der daran glaubt, dass gute Marken mehr sein sollten als wirtschaftliche Konstrukte.