Post by Rebeca Grötzschel
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Am Samstag, am Straßenrand, saß ein Mann aus einem anderen Land und fertigte mit unglaublicher Geduld wunderschöne Blumen aus Schilf. Es war nicht die Art von Dekoration, die in mein Zuhause gepasst hätte und doch hatte seine Arbeit etwas, das mich sofort berührte. Ich blieb einfach stehen und sah ihm eine Weile zu. Irgendetwas an seiner ruhigen Art und an der Sorgfalt, mit der er jede einzelne Schilfblume formte, hielt mich fest. Irgendwann schaute er zu mir auf, lächelte und bedankte sich dafür, dass ich stehen geblieben war. Ich griff in mein Portemonnaie, nahm einen Geldschein heraus und wollte ihn ihm geben. Er fragte mich: „Welche Blume möchtest du dafür?“ Ich lächelte und sagte: „Keine. Ich möchte sie dir einfach geben.“ Da sah er mir tief in die Augen und schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er. „Du hast mir schon etwas viel Wertvolleres gegeben. Du bist stehengeblieben. Du hast mich gesehen. Du hast meine Arbeit gesehen. Ich bettle nicht. Wenn ich dein Geld annehme, möchte ich dir auch etwas dafür geben.“ Für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Vor ihm lagen große, kunstvoll geflochtene Schilfblumen. Als ich keine davon mitnehmen wollte, nahm er eine kleine in die Hand, lächelte und reichte sie mir. So ging ich mit einer kleinen Schilfblume nach Hause. Doch, in meine Seele geblieben ist etwas ganz anderes: sein Blick, seine Würde und ein Satz, der mich bis heute begleitet: „Du hast mich gesehen.“ Ich denke oft darüber nach, wie schnell wir glauben, anderen helfen zu müssen. Dabei brauchen viele Menschen kein Mitleid. Sie wünschen sich etwas viel Einfacheres und gleichzeitig viel Wertvolleres: gesehen zu werden! Ich glaube, wir unterschätzen oft, wie viel es bedeuten kann, einem Menschen dieses Gefühl zu schenken. ❣️