Post by Ralf Oehme

Unternehmensinhaber bei "Die Milower Wildfleischer"

Hätte ich doch einfach Nein gesagt. Es ging um gerade einmal 120 meiner vielfach gelobten Rotwild-Bratwürste. Eigentlich wusste ich, dass meine Auftragsbücher voll sind. Trotzdem habe ich zugesagt. Warum? Weil mir dieser Auftrag persönlich am Herzen lag. Es wäre eine kleine regionale Veranstaltung, auf der wir zeigen konnten, was echtes Handwerk und regionale Qualität bedeuten. Ich habe mir vorgestellt, dass wie immer die Menschen dort stehen, probieren, lächeln und vielleicht genau diesen Moment mit meiner Arbeit verbinden. Doch manchmal hat das Schicksal andere Pläne. Ausgerechnet das Lager meines großen Fleischwolfs verabschiedete sich. Aufgeben kam für mich nicht infrage. Also kaufte ich voller Hoffnung kurzfristig einen kleineren Fleischwolf über eBay Kleinanzeigen. Leider stellte sich dieser – wie auf dem Bild zu sehen – als kompletter Fehlkauf heraus. Als ich ihn das erste Mal laufen ließ und sofort merkte, dass etwas nicht stimmt, ist mir ehrlich gesagt kurz das Herz in die Hose gerutscht. Und nun stehe ich da. Ein Fleischermeister, der mit seinen Wildspezialitäten mehrfach ausgezeichnet wurde. Produkte, die tausende Menschen begeistert haben und heute in der Spitzengastronomie ihren Platz gefunden haben. Ein Mensch mit Ideen, Leidenschaft und dem festen Willen, weiterzumachen und trotzdem an einem Punkt angekommen ist, an dem ihm die Mittel fehlen. Corona hat mir wirtschaftlich das Genick gebrochen. Angefangen hat alles mit einem kleinen Hofladen vor meiner Fleischerei. Der Zuspruch war so groß, dass meine Kunden mich ermutigten, mit einem Verkaufswagen nach Berlin zu gehen. Aus einem Wagen wurden schnell drei. Es lief hervorragend – bis Corona kam. Von heute auf morgen brachen die Märkte, die Kunden und damit die Umsätze weg. Der Rest ist Geschichte. Heute stehe ich hier mit Produkten, von denen ich felsenfest überzeugt bin: regional, nachhaltig, natürlich und aus Wildfleisch – für mich eines der hochwertigsten Lebensmittel überhaupt. Was mir fehlt, sind nicht Kunden. Was mir fehlt, sind die technischen Möglichkeiten und die Produktionskapazitäten, um die Nachfrage zu bedienen. Manchmal entscheidet nicht die Qualität über Erfolg oder Misserfolg, sondern ein defektes Lager, fehlendes Kapital oder einfach das falsche Timing. Trotz allem werde ich nicht aufgeben. Dafür glaube ich zu sehr an das, was wir geschaffen haben. Manchmal braucht es einfach nur die richtige Tür, die sich endlich öffnet. Euer deprimierter Ralf

Post content