Post by Raimund Neuß
Chefredakteur im Heinen-Verlag, ehemals bei der Kölnischen Rundschau. Gastautor beim Kölner Presseclub. Hier privat unterwegs.
Ein gotisches Fenster in der Blasiuskapelle (heute Schatzkammer) der ältesten Kölner Kirche St. Gereon zeigt einen Heiligen mit dunkler Hautfarbe: Gregorius Maurus links neben seinem Gefährten Gereon, beide Angehörige der Thebäischen Legion. Sie sollen im Jahr 304 n.Chr. in Köln das Martyrium erlitten haben - wie Mauritius, auch er ein Offizier der Thebäischen Legion (und Patron meiner Kölner Pfarrkirche), anderthalb Jahrzehnte zuvor in der heutigen Schweiz. Christen aus Afrika haben maßgeblich dazu beigetragen, das, was wir heute als abendländische Kultur verstehen, in den Raum von den Alpen bis zum Niederrhein zu bringen. Wahrscheinlich waren Gregorius und Gereon die gleiche Person, aber sie werden traditionell als zwei Kameraden der gleichen Legion angesehen. Pfarrer Dominik Meiering hat eine Gruppe der Rundschau-Altenhilfe - DIE GUTE TAT e.V. durch diese grandiose Kirche geführt. Darstellungen Schwarzer Menschen wie in diesem Kirchenfenster, in dunkel gehaltenen Reliquienbüsten - in St. Gereon oder auch das Mauritius-Reliquiar in St. Ursula -, bei der Erinnerung an die drei Weisen aus dem Morgenland oder auf Wappen (Mauritius in Coburg!) sind Ausdruck tiefer Verehrung. Genauso wie einschlägige Haus- und Straßennamen, die heute oft als politisch nicht korrekt denunziert werden. Hoffentlich darf wenigstens das vermutlich älteste deutsche Profandenkmal, das die Schlacht an der Kölner Ulrepforte „up der heiliger more naicht" datiert, weiter gezeigt werden. „Heiliger more“ ist Gregorius Maurus (Festtag am 15. Oktober). Die aus Afrika stammenden Märtyrer würdigte man bereits in der Spätantike nicht irgendwie. Sondern in gebührender Form: mit dem damals größten Kuppelbau neben dem Pantheon in Rom und der Hagia Sophia. Mit der wegen ihrer leider verlorenen Goldmosaiken einst so genannten Kirche „ad sanctos aureos“. Die Erinnerung an diese tapferen Menschen gehört zum wichtigsten historischen Erbe unserer Stadt. In St. Gereon habe ich intensiv an rechtsextremistischen Angriffe gegen deutsche und französische Fußball-Nationalspieler mit familiären Wurzeln in Afrika gedacht. Wie widerwärtig sind sie. Und wie absurd, wenn wir an die Thebäische Legion denken - und an den Altar der ägyptischen Göttin Isis, der ebenfalls in St. Gereon gefunden wurde! Danke an Pfarrer Meiering für die inspirierende Führung und an Stefanie Teufel vom Heinen-Verlag für die Organisation! https://lnkd.in/eSp9Sk77