Post by Rafael Knuth
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Ein Blameless Post Mortem sucht nicht nach Schuldigen. Es untersucht, welche Fehler begangen wurden und was man daraus für zukünftige Technologieprojekte lernen kann. 1. Die ursprünglichen Marktannahmen haben sich schneller verändert als die Produktroadmap. Als die Automated Driving Alliance 2022 gegründet wurde, erschien eine gemeinsame europäische Softwareplattform für Fahrerassistenzsysteme als logischer Weg. Seitdem haben insbesondere chinesische Hersteller und Technologieunternehmen erheblich an Tempo zugelegt. Entwicklungszyklen wurden kürzer, Over-the-Air-Updates zum Standard und KI entwickelte sich zum zentralen Wettbewerbsfaktor. Die Annahmen, auf denen das Projekt beruhte, wurden schneller von der Marktrealität überholt als erwartet. 2. Größe erzeugt nicht automatisch Geschwindigkeit. Mehr als 1.000 Spezialisten arbeiteten innerhalb der Allianz an einer gemeinsamen Plattform. Die ursprüngliche Annahme lautete, dass Skaleneffekte schneller zu einer marktreifen Lösung führen würden. In einem dynamischen Softwaremarkt kann zusätzlicher Abstimmungsaufwand jedoch selbst zum Wettbewerbsnachteil werden. Größe wird erst dann zum Vorteil, wenn Architektur, Governance und Entscheidungswege gleichermaßen skalieren. 3. Die Messlatte für Wettbewerb hat sich verändert. 2022 stand der Aufbau einer leistungsfähigen Plattform für automatisiertes Fahren im Mittelpunkt. Heute entscheidet zunehmend die Fähigkeit, neue Funktionen kontinuierlich auszurollen, Fahrdaten schnell auszuwerten und KI-Modelle permanent zu verbessern. Der Erfolg eines Softwareprojekts misst sich nicht mehr allein an seiner Architektur, sondern ebenso an Release-Takt, Feldvalidierung und Iterationsgeschwindigkeit. 4. Make or Buy ist keine einmalige Entscheidung. Die Allianz entstand mit dem Ziel, europäische Kompetenzen für automatisiertes Fahren aufzubauen. Sollte Volkswagen die Entwicklung künftig mit einem neuen Technologiepartner fortsetzen, wäre das weniger ein Scheitern der beteiligten Unternehmen als eine Neubewertung der Make-or-Buy-Frage. Technologiepartnerschaften müssen kontinuierlich an Markt- und Technologieentwicklungen gemessen werden. Lehren für künftige Projekte → Marktannahmen regelmäßig anhand von Wettbewerbs- und Technologieentwicklungen überprüfen. → Große Partnerschaften nur dann eingehen, wenn Governance und Entscheidungswege die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht ausbremsen. → Erfolg nicht nur an Architektur und Funktionsumfang messen, sondern ebenso an Release-Takt, Feldvalidierung und Iterationsgeschwindigkeit. → Make-or-Buy-Entscheidungen und Technologiepartnerschaften als kontinuierlichen strategischen Prozess verstehen, nicht als einmalige Grundsatzentscheidung.