Post by Projekt Die Burg

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#dieZeitreisenden16. Wieder wird die Burg zum Lehrsaal, wieder wird der Boden des Berges gespickt mit gelben Fähnchen! Archäologische Performance-Kunst. Die Universität hält in Zusammenarbeit mit unserem Projekt eine weitere Lehrübung auf dem Hohengenkingen ab. Acht Studierende unter Leitung von Sören Frommer untersuchen die Kernburg sowie den Verlauf des Berggrates. Sie suchen das Gelände nach Lesefunden und Mauerresten ab. Acht sind sie am Anfang, sechs werden sie am Ende sein. Einer überdehnt in den Schotterfeldern seinen Knöchel, eine andere leidet in der prallen Sonne unter Kreislaufproblemen und bricht ab. Kreuz und quer flattern am Ende der Woche rot-weiße Plastikbänder, die die Untersuchungsareale voneinander abgrenzen. Wieder kommen Satellitenpilz und Laubbläser zum Einsatz. Dabei ist auch Leonhard Ebel, der in diesem Jahr in einer Bachelorarbeit die Keramik-Lesefunde untersuchen wird. Am Ende dieser Forschungswoche sieht das Bild, das wir von der Burg haben, wieder etwas anders aus: Ebel analysiert die auf dem Gelände gefundene und auf den Zentimeter genau eingemessene Geschirr- und Ofenkeramik. Insgesamt 273 Scherben, die er in wochenlanger Arbeit in eine Excel-Tabelle aufnimmt, Stück für Stück, nach Länge und Dicke vermisst, ihre Auffälligkeiten notiert, nach ihrer Form und Körnigkeit ihr Alter bestimmt. Im Computer von Frommer wächst so eine Punktwolke heran, die die Burg ganz einhüllt. Rot steht für Gefäßkeramik, grün für Reste von Kachelöfen, gelb für Sonderfunde wie Knochen oder Glas. Die ältesten Scherben stammen aus der Zeit des Hochmittelalters. Vermutlich war die Burg schon früher bewohnt als bisher angenommen. Es dürfte sich, so die Überlegungen, aber um eine bescheidene Anlage gehandelt haben, denn Ebel hat nur 45 Scherben aus dieser Zeit gezählt. 152 Scherben hingegen stammen aus dem 13. bis 14. Jahrhundert, ganz offenbar also der Blütezeit dieser Burg. 15 Scherben von Gefäßkeramik verortet er ins ausgehende 14. Jahrhundert. Keine Scherbe ist jünger. So lässt sich an der Spur der Scherben die Lebensspanne der Burg ablesen. Doch Vorsicht: Alle Scherben lagen ganz obenauf, stammen von der Oberfläche. In die tieferen, älteren Schichten sind wir noch nicht vorgedrungen. Die Forscher analysieren nur, was sie bislang zur Ansicht haben. Ziemlich begründet scheint aber die neue These: Wenigstens zeitweilig könnten zwei Adelsfamilien hier oben gelebt haben. Eine Burgen-WG. Zusammen, aber separat. Kam ziemlich häufig vor. Vermied Erbstreitereien und sparte Ressourcen. Über mehrere Jahrzehnte hinweg haben im 13. Jahrhundert immer wieder zwei Herren von Genkingen Urkunden gezeichnet. Hintereinander haben sie ihre Namen auf Pergament gesetzt. Ein Hinweis vielleicht darauf, dass sie beide rechtlich eigenständige Körperschaften darstellten. Was auf den wenigen überlieferten Urkunden nur zu erahnen ist, wird durch unsere Forschungen jetzt greifbarer. - Es gab zwei Zugänge. - Es gab Kachelöfen an unterschiedlichen Orten der Burg.

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