Post by Prof. Dr. Bernhard Meyer

Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie, TUM Klinikum Rechts der Isar, Forschung an Hirn-Computer-Schnittstellen (BCIs), Translation von Neurotechnologie in die Praxis

Wir können das Upgrade gesunder Menschen durch Hirn-Computer-Schnittstellen nicht aufhalten. Aber wir können dafür sorgen, dass wir in Europa eine Wahl haben, und die Technologie nicht blind aus anderen Ländern importieren müssen.   Genau darum geht es. Als ich ab 2014 begann, das Feld der Hirn-Computer-Schnittstellen (BCIs) in München massiv voranzutreiben, haben viele den Kopf geschüttelt und gefragt: „Warum macht er das?“ Diese Frage stellt heute niemand mehr. Heute höre ich eher: „Das hätten wir auch machen können.“ Ja, hätten wir. Aber wir in der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am TUM Klinikum Rechts der Isar haben es getan. Kürzlich habe ich im Interview mit Liz Moyles - Link unten - darüber gesprochen, was mich antreibt: Wenn wir das Feld den rein kommerziellen Akteuren überlassen, verlieren wir die Kontrolle über unsere eigenen Daten und Werte.   Kaum eine Woche vergeht ohne neue Durchbrüche weltweit. Auch wir erzielen gemeinsam mit unseren Studienteilnehmern kontinuierlich wichtige Fortschritte in der BCI-Forschung. Der Wettlauf um das Gehirn hat längst begonnen. Die Entwicklung beschleunigt sich weltweit exponentiell. Stillstand ist keine Option, denn ich bin überzeugt: Human Enhancement – das Upgrade gesunder Menschen – wird kommen. Wenn etwas technisch machbar ist, wird es umgesetzt. Das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Heute helfen BCIs Menschen mit schweren neurologischen Erkrankungen, Sprache oder Bewegung zurückzugewinnen. Das ist unser medizinisches Fundament. Doch die Technologie wird nicht bei Patienten haltmachen: BCIs werden zu einem Werkzeug werden, mit dem Menschen ihre biologischen Grenzen erweitern wollen. Die entscheidende Frage lautet: Wollen wir, dass Menschen künftig auf Technologien aus anderen Ländern angewiesen sind, in denen andere Regeln gelten und Daten ganz oder teilweise unter Verschluss bleiben? Oder wollen wir diesen Wandel selbst gestalten und europäische Alternativen schaffen? Angesichts dieser Verantwortung ist unser Ziel: München soll bis 2030 der Nummer 1-Hub für Hirn-Computer-Schnittstellen in Europa werden.   An der Technische Universität München vereinen wir Neurochirurgie, Neurowissenschaften, Ingenieurwesen und Ethik in einem europaweit einzigartigen Team.   Wir bauen eine offene Plattform, die den schwierigen Schritt wagt: raus aus dem Labor und hinein in die klinische Anwendung. Dass das so schnell geht, liegt an zwei entscheidenden Entwicklungen: - drahtlose Implantate unter der Haut - die Dekodierung von Gehirnsignalen durch Large Language Models   Ich verstehe, dass viele Menschen Angst vor disruptiven Veränderungen haben. Aber Wegschauen hat noch nie eine Technologie aufgehalten. Generative KI ist das jüngste Beispiel dafür. Sie verändert gerade grundlegend, wie wir geistige Arbeit definieren.   Die BCI-Entwicklung ist in vollem Gange. Wir müssen sie aktiv und besonnen begleiten und ethische Leitplanken nach unseren Werten setzen. Foto: Heidi Willmann

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