Post by Philipp M. Hohenthanner
Psychologe (M.Sc.) · Psychologische Beratung für Menschen und Unternehmen
Deutschland hat gerade die WM-Pleite erlebt, die es verdient. 🇩🇪🇵🇾 Nicht nur sportlich. Sondern vor allem menschlich. Ja, die DFB Nationalmannschaft hat gestern schlecht gespielt. Ja, sie ist verdient ausgeschieden. Punkt. Aber was danach passiert, ist die eigentliche Niederlage. Innerhalb weniger Stunden sind sich 80 Millionen Bundestrainer und TV-Experten sofort einig: 👉 Die Spieler sind Versager. 👉 Der Trainer ist unfähig. 👉 Der DFB muss komplett neu aufgestellt werden. Warum eigentlich? Weil wir Niederlagen nicht mehr ertragen? Weil wir glauben, jede Enttäuschung brauche sofort einen Schuldigen? Oder weil wir Verachtung inzwischen mit Analyse verwechseln! 🤷🏻♂️ Schaut man sich die Kommentare auf Social Media und in der Presse so an, dann geht es uns scheinbar nicht mehr darum etwas zu verstehen, sondern nur noch darum Dampf abzulassen. Ein Muster das wir schon von früher kennen: Joachim Löw war 2014 Weltmeister. Vier Jahre später war er für viele nur noch ein Versager. Hansi Flick galt als gescheitert. Heute trainiert er den FC Barcelona. Die Konstante ist nicht der Trainer. Die Konstante sind wir! Wir feiern Siege, als wären sie unser eigener Verdienst. Aber nach Niederlagen distanzieren wir uns plötzlich von unserer Mannschaft? Das ist keine Fankultur. Das ist Opportunismus! Wer nur im Erfolg hinter seiner Mannschaft steht, stand nie wirklich hinter ihr. Aber wisst ihr was? Vielleicht ist genau diese Haltung der Grund, warum in Deutschland inzwischen nichts mehr läuft. Weil wir nicht nur unsere Nationalmannschaft so betrachten, sondern unser ganzes Land. Unsere Unternehmen. Unsere Politik. Und letztlich auch uns selbst. Denn die Art, wie wir über unsere Mannschaft sprechen, sagt mehr über uns aus als über sie. Wahrscheinlich war Paraguay gestern einfach besser. Aber das wirklich traurige ist: Wir sind heute kein Stück besser als gestern. #klartext