Post by Peter Pauls
Ehrenvorsitzender bei Kölner Presseclub e. V.
„Museen zu schließen wird zum Normalzustand in dieser Stadt." Der Satz stammt von Peter Jungen, Vorsitzender des Stifterrates des Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud und er trifft den Kern dessen, was in Köln kulturpolitisch schiefläuft. Aus ganz anderer Perspektive kommt der Schriftsteller #Navid_Kermani im neuen #Newsletter des Kölner Presseclub e.V. zum selben Befund (Link im ersten Kommentar). Die Bestandsaufnahme ist ernüchternd: Römisch-Germanisches Museum und Kölnisches Stadtmuseum sind in Notquartieren untergebracht. Das Wallraf schließt Anfang August. Das Museum für Angewandte Kunst (MAKK), ein weiterer Sanierungsfall, war bis vor Kurzem von Sicherungsgerüsten verhunzt. Das Ludwig Museum - Museum of Contemporary Art und die Kölner Philharmonie stehen bereits auf der Sanierungsliste. Zukunft ungewiss. In Köln gibt es keine „Generalinstandhaltung", nur „Generalsanierung", sagt Peter Jungen. Wenn er sich in Rage redet, fällt schon mal ein Begriff wie „geronnene Unfähigkeit". Peter Jungen steht für das, was Köln groß gemacht hat: das mäzenatische Bürgertum. In zähen Verhandlungen hat er durchgesetzt, dass die Stadt Köln tatsächlich mit den Bauarbeiten zur Erweiterung des Wallraf begonnen hat – so, wie es dem Stifter Gérard Corboud einst zugesagt worden war. Bürgersinn, der die Stadt zum Handeln zwingen muss - das sagt viel über den Zustand der Kulturpolitik. Kermani erinnert daran, was auf dem Spiel steht: Noch in den 70er- und 80er-Jahren war Köln ein Weltzentrum der Kunst – Museum Ludwig, Neue Musik mit Stockhausen, die Galerien- und Jazzszene mit globaler Strahlkraft. Dann setzten die Verantwortlichen bewusst auf Köln als Event-Stadt, mit fatalen Folgen für das Stadtbild. Kultur spielte im Wahlkampf nicht einmal eine Nebenrolle, kritisiert Kermani. Dabei ist Kultur Standortpolitik. Im Wettbewerb mit Hamburg, Frankfurt, München – und ja, Düsseldorf – ist Köln dabei, den Anschluss zu verlieren. Eine Stadt, die ihre kulturelle Identität zum Luxusgut erklärt, ist ohne Kompass unterwegs. Kermanis Frage bleibt: „Köln muss sich fragen, was es sein, welche Identität es haben will." Mehr im Newsletter des Kölner Presseclub. #Köln #Kulturpolitik #Museen #Stadtentwicklung #Standortpolitik #Mäzenatentum