Post by Peter Jelinek

Klima- & Biodiversitätskrise lösen | European Green Deal verstehen | tgf

"Wir haben bisher gedacht, der Klimawandel, der geht an uns vorbei, der findet im Fernsehen statt, aber der ist tatsächlich da und er wird uns noch lange, lange beschäftigen", Mobilitätsforscher Andreas Knie zur Hitzewelle. Knie weiter: "Und dafür ist das, was wir an Infrastruktur haben, dafür ist unser Leben bisher überhaupt nicht angepasst gewesen. Beispielsweise die berühmten Klimaanlagen der Deutschen Bahn AG: Die sind auf maximal 30 Grad ausgelegt. Das war das Maximale, was man damals in den 70er, 80er Jahren hat erwarten können." Ähnlich schlecht ergeht es der Zugflotte des Rhein-Ruhr-Express (RRX) in NRW: 1/4 der Flotte ist wegen der Hitze ausgefallen, wie der operative Geschäftsführer des NationalExpress, Andreas Leue konstatiert. Seine Kollegen in Leipzig kämpfen derweil mit schmelzenden Fugengussmasse, die dann in Weichen und Schienen laufen und dort verklumpen. Die Hitzeschäden an Schienen und Weichen legen den gesamten Tramverkehr in Leipzig bis Montag lahm. Und selbst die Heiligtümer Deutschlands, die Autobahnen, werden zum Teil gesperrt, weil die Hitze den Asphalt aufbrechen lässt. Wie der Mobilitätsforscher Andreas Knie es zusammenfasste: Unsere Infrastruktur, aber auch die Städte und Ökosysteme sind auf solche Hitzewellen nicht vorbereitet. Bei letzterem werden wir die Schäden erst in einigen Monaten richtig sehen können, aber hier kommt zusammen, was in den Jahren davor immer etwas abstrakt benannt wurde: Die Folgekosten der Klimaerhitzung sind astronomisch, wogegen die Prävention, also ein konsequenter Klimaschutz samt Maßnahmen, vielfach billiger ist. Nur um das einmal einzuordnen: Ein einzelner Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 430 Millionen Euro. Hochgerechnet auf die Hitzewoche sind das 2-3 Milliarden Euro. Und neben der Hitze nimmt auch die Belastung durch Allergien zu. Allergische Erkrankungen verursachen in Europa jährliche Kosten von rund 150 Milliarden Euro. Und das PIK - Potsdam Institute for Climate Impact Research zeigte vor rund zwei Jahren auf: "Selbst wenn Treibhausgas-Emissionen ab heute drastisch reduziert würden, müsste die Weltwirtschaft aufgrund des Klimawandels bis 2050 bereits mit einem Einkommensverlust von 19 Prozent rechnen. Diese Schäden sind 6x höher als die Vermeidungskosten zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad. " Eine andere Rechnung der Europäischen Kommission wiederum besagt: Jeder in den Naturschutz und die Renaturierung investierte Euro ermöglicht eine wirtschaftliche Rendite von 8 bis 38 Euro. Konkret sind das Ökosystemleistungen wie Ernährungssicherheit, Hochwasserschutz oder eben Klimaschutz. Und hier sind wir beim springenden Punkt: Die Kosten für die Anpassung an die Klimaerhitzung (siehe bspw. die Züge) werden derzeit wenig bis gar nicht eingerechnet und die der kommenden nicht ausreichend in die politische Diskussion eingeflochten. Dabei sollte genau das passieren, gerade weil es die einzige nachhaltige Grundlage für schlicht und ergreifend alles ist.

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