Post by Pablo Thiam

Fußballmanager I Trainer I Ehemaliger Bundesliga-Profi I Kosmopolit

Die K.-o.-Phase der WM beginnt – und für mich ist das der Moment, in dem ein Turnier erst richtig losgeht. Die Spannung steigt, Kleinigkeiten entscheiden, und genau das macht den Reiz aus. Wie immer gibt es Überraschungen und schöne Geschichten. Kap Verde, der Kongo, Ägypten – Teams, die gezeigt haben, was im internationalen Fußball möglich ist. Aus deutscher Sicht war die Vorrunde von Licht und Schatten geprägt. Es gibt gute und weniger gute Phasen, in denen das Team ihr Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft hat. Jetzt geht es darum, Runde für Runde zu überstehen. Die Hürde Paraguay gilt es zu überspringen – und sollte das gelingen, wartet aller Voraussicht nach mit Frankreich der Topfavorit auf den Titel. Spätestens dann wird sich zeigen, wie weit die deutsche Mannschaft wirklich ist. Im Zusammenhang mit der WM wurde in den vergangenen Tagen auch über Aussagen von Bastian Schweinsteiger zur Elfenbeinküste diskutiert. Für mich ist klar: Bastian ist kein Rassist. Seine Aussage war dennoch unglücklich, weil sie stereotype Vorstellungen transportiert hat. Die Elfenbeinküste steht für einen hochwertigen Fußball. Viele ihrer Spieler sind taktisch und technisch auf Top-Niveau geschult und spielen in den besten europäischen Ligen. Das gilt längst für zahlreiche afrikanische Nationalmannschaften. „Unorthodox“ oder „wild“ spiegelt ein koloniales, überholtes Denkmuster wider. Ich halte es für wichtig, dass wir solche Debatten führen, um weiter zu sensibilisieren und alte Denkmuster zu hinterfragen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir sie anders führen – mit mehr Empathie, mehr Verständnis und mehr Bereitschaft, andere Perspektiven wirklich anzuhören. Wichtig ist: Niemand sollte Menschen absprechen, dass sie sich durch bestimmte Aussagen verletzt fühlen. Ob jemand eine Äußerung als verletzend empfindet, entscheidet nicht das Umfeld, sondern die betroffene Person. Dieses Empfinden verdient Respekt – auch dann, wenn man selbst die Aussage anders wahrgenommen hat. Gleichzeitig sollten diejenigen, die sich unglücklich ausdrücken, die Chance haben, zuzuhören, zu reflektieren und daraus zu lernen. Eine Entschuldigung sollte akzeptiert werden. Nur wenn wir beides zusammenbringen – Offenheit für Kritik und Respekt für die Gefühle anderer –, können solche Diskussionen Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Dann kann die schönste Nebensache der Welt wirklich verbindend sein. Und genau das wünsche ich mir – im Fußball und darüber hinaus. Ich freue mich, wenn wir zu diesem so wichtigen Thema in den Austausch kommen und empfehle allen Interessierten das Gespräch mit Rachel Etse und Ronny Blaschke zu suchen. ----------- 📸 Volksbank Rhein-Lippe eG - vielen Dank für die Einladung und die Möglichkeit, über Fußball, Nachwuchsförderung und Teamgeist zu sprechen. Danke auch an Moderatorin Nina Heuser und Sven Kirstein (Aufsichtsratsvorsitzender der Auf Schalke eG) für den tollen Austausch.

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