Post by Oliver Blatt
Vorstandsvorsitzender GKV-Spitzenverband | Für eine starke, solidarische Gesundheitsversorgung
Auf dem HAUPTSTADTKONGRESS drehte sich in den letzten Tagen vieles um die großen und aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen: Finanzierung, Fachkräftemangel, Pflege, Digitalisierung. Das ist wichtig. Mindestens genauso wichtig ist aber die Frage: Wie sieht die Versorgung von morgen aus? Ein Projekt hat mich dabei sehr beeindruckt. Gefördert durch den Innovationsfonds wird aktuell im Saarland ein Konzept erprobt, bei dem moderne diagnostische Leistungen direkt zu den Menschen kommen - insbesondere zu älteren und pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen. Die Idee dahinter ist eigentlich verblüffend einfach. Warum müssen hochbetagte Menschen in Pflegeheimen für diagnostische Untersuchungen oft ins Krankenhaus gebracht werden, wenn die Diagnostik auch zu ihnen kommen kann? Die „Diagnostik auf Rädern“ vereint moderne bildgebende Verfahren, Labordiagnostik und telemedizinische Expertise. Ärztinnen und Ärzte können bei Bedarf digital zugeschaltet werden. Ziel ist es, unnötige Klinikeinweisungen zu vermeiden, Wege zu verkürzen und die Versorgung dort anzubieten, wo die Menschen leben. Mich fasziniert an diesem Projekt vor allem der Perspektivwechsel. Nicht der Patient kommt zur Versorgung. Die Versorgung kommt zum Patienten. Gerade für ländliche Regionen und eine älter werdende Gesellschaft könnte darin enormes Potenzial liegen. Auf dem Hauptstadtkongress wurde außerdem viel über die Resilienz unseres Gesundheitswesens gesprochen. Also darüber, wie krisenfest unsere Versorgung bei Pandemien, Naturkatastrophen oder anderen Ausnahmesituationen sein muss. Auch dafür können solche innovativen, mobilen und damit auch autarken Versorgungsangebote perspektivisch eine wichtige Rolle spielen. Deshalb brauchen wir Räume, in denen neue Ideen entstehen und erprobt werden können. Der Innovationsfonds ist genau dafür da: Versorgung weiterzudenken und unter realen Bedingungen zu erproben, bevor Probleme entstehen.