Post by Oliver Wurm

Aus gutem Grund: Das Grundgesetz als Magazin.

"Es war ein weiter Weg von den Anfängen im Chlodwig Eck bis heute Abend hier ins FC-Stadion." So eröffnete Wolfgang Niedecken das erste Stadion-Konzert von BAP. Zum 50. Jubiläum der Band. Es war ein kurzer Fußweg von meiner damaligen 1-Zimmer-Wohnung über der Zoohandlung Blume in der Severinstraße zum Chlodwigplatz. Am 9. November 1992 fand dort ein Open-Air-Konzert statt, nachdem es bundesweit zu schweren rassistischen Ausschreitungen (u.a. in Rostock-Lichtenhagen und Mölln) gekommen war. Am Ende eines beeindruckenden Abends sang Niedecken mit Trude Herr "Niemols jeht mer su janz“. Über 100.000 Menschen waren gekommen und sangen mit. An diesem Abend entstand der Verein Arsch Huh e.V., der sich bis heute für Toleranz und eine solidarische Stadtgesellschaft in Köln stark macht. Als ich zurück in die Zoohandlung ging, hatte sich was verändert. Es braucht solche Erweckungserlebnisse. Ich würde im Stil von Niedecken sagen: "Es war ein weiter Weg von den Anfängen vor dem Chlodwig Eck bis zum Grundgesetz als Magazin." War das gestern Abend das beste BAP-Konzert ever? Nein. Fehlten mir Lieder wie "Jupp" oder "Anna"? Ja. War der Sound auf unseren Plätzen im Innenraum hinten top? Nein. Hatte man von da hinten, zumal es nicht eng war, einen "Kontakt" zur Band und zum Konzert? Eher nein. Waren wir deshalb gestern Abend beim Nach-Kölsch vielleicht ein klein bisschen zu kritisch? Ja. Verändert das etwas an meiner Liebe zur Band und meinem tiefen Respekt vor Wolfang Niedecken? Natürlich nicht! Null! Danke für 35 Jahre Kompass. Wie wöhr et, wemmer selver jet däät, Wemmer die Zäng ens ussenander kräät? Wenn mir dä Arsch nit huhkrieje, Ess et eines Daachs zo spät. Dä Schuhß ess fruchtbar noch, Uss däm die Nazibrut russkroch. Jetzt jilt et: Arsch huh, Zäng ussenander! Jetz, nit nähxte Woch! Wie wöhr et, wemmer selver jet däät, Wemmer die Zäng ens ussenander kräät? Wenn mir dä Arsch nit huhkrieje, Ess et eines Daachs zo spät.

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