Post by Niklas Fröhlich
Managing Director bei Froehlich Global Search | Marketing Research, Business Strategy
Was zum Kuckuck ist eigentlich mit Deutschland los? Nicht wegen einer Fußballniederlage. Die kann passieren, Schwamm drüber. Sondern wegen der Haltung, die dahintersteckt. Es ist doch fast schon chronisch geworden: Wo man hinsieht, regieren Ausreden statt Selbstkritik. Schuld sind immer die anderen – der Schiedsrichter, die Umstände, die Politik, das Ausland, die Bürokratie oder das Wetter. Aber wann haben wir eigentlich das letzte Mal wirklich in den Spiegel geschaut und gesagt: „Wir haben es schlichtweg vermasselt“? Genau diese Mentalität macht mir viel mehr Sorgen als jede Pleite auf dem Platz. Deutschland war einmal weltweit dafür bekannt, dass hier angepackt wird. Disziplin, Leistungsbereitschaft, Verlässlichkeit und dieser unbedingte Wille, Dinge einfach besser zu machen als der Rest. „Made in Germany“ war kein hohler Marketing-Slogan, sondern ein Versprechen, auf das man sich verlassen konnte. Und heute? Heute diskutieren wir lieber monatelang über Zuständigkeiten, Vorschriften und die Frage, warum etwas nicht geht, anstatt es einfach zu lösen. Wir verwalten den Stillstand, während uns links und rechts die Welt überholt. Unsere Wirtschaft taumelt, Unternehmen wandern ab oder investieren woanders, und die gesellschaftlichen Gräben werden tiefer. Aber statt die Ärmel hochzukrempeln, neigen wir immer öfter dazu, dem Rest der Welt Vorträge über Moral und die richtige Lebensweise zu halten – während bei uns die Bahnen nicht fahren, die Brücken bröckeln und die Digitalisierung auf dem Niveau der Jahrtausendwende feststeckt. Ja, die Zeiten sind kompliziert. Energiepreise, Geopolitik, Demografie – geschenkt, das wissen wir alle. Aber Komplexität ist kein Freifahrtschein für kollektive Unverantwortlichkeit. Wenn wir aufhören, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, haben wir schon verloren. Fortschritt beginnt nicht mit der Suche nach dem Sündenbock. Er beginnt mit schonungsloser Ehrlichkeit. Wir brauchen dringend weniger moralische Empörung, weniger Fingerzeig auf andere, und verdammt noch mal wieder mehr Bock auf Leistung, Eigenverantwortung und den Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Und zwar schnell. Deutschland war immer dann stark, wenn wir nicht gefragt haben, wer schuld ist – sondern was jetzt zu tun ist. Lasst uns endlich wieder damit anfangen.