Post by Nico Hofmann

Produzent

Götz George ist heute vor zehn Jahren gestorben. Für mich ist er aber immer noch gegenwärtig. Götz George verschwimmt nicht vor dem inneren Auge, er ist präsent wie eh und je, und er fehlt sehr schmerzhaft. Nicht nur mir, sondern in der gesamten Film- und Fernsehlandschaft. Als "Horst Schimanski" revolutionierte er mit seiner Figur den Fernsehabend in deutschen Wohnzimmern: ruppig, ungekämmt, rebellisch, moralisch eigensinnig und vor allem unangepasst. Götz war mit seiner körperlichen Wucht und verletzlichen Präsenz das personifizierte Gegenprogramm zum damals geschmeidigen Fernsehabend. Für mich ist Götz bis heute ein gültiger Maßstab dafür, was möglich ist im deutschen Fernsehen, wenn jemand sich nicht den üblichen Mechaniken unterwirft. In einer Zeit, in der wir viel über Transformation sprechen – über Plattformen, über neue Erzählformen, über internationale Konkurrenz – dürfen wir eines nicht verlieren: die Fähigkeit, Haltung zu zeigen. Götz George hatte diese Haltung, gleich ob es um politische, gesellschaftliche oder persönliche Themen ging. Die Medien neigen heute dazu, Götz im Rückblick auf "Schimanski" zu reduzieren. Götz George war aber viel mehr ein Weltklasse-Schauspieler: Nach seinem triumphalen Erfolg mit Romuald Karmarkars „Totmacher“ auf dem Filmfestival in Venedig standen die größten Regisseure der Welt bei ihm Schlange, aber er blieb seiner Heimat, der deutschen Sprache, die er immer bis in ihre letzten Untiefen auslotete, treu. Von Götz habe ich alles gelernt: Wie man mit Text und Emotion umgeht, wie sich ein Schauspieler rhythmisch und choreografisch im Raum bewegt, und vor allen Dingen: Radikalität und Wahrhaftigkeit bei der Rollenfindung. Unsere schönsten Projekte waren die beiden Filme „Der Sandmann“ und später „Solo für Klarinette“. Ich habe "Solo für Klarinette" mit ihm, Corinna Harfouch und Regina Ziegler als Produzentin gedreht. Götz wollte mit diesem Film endlich mit seinem Macho-Image brechen. Unser Thema war schon damals die toxische Männlichkeit. Neben diesem gemeinsamen Lebensthema, das Götz und mich verband, gab es noch ein zweites: die Verstrickung unserer Eltern in den Nationalsozialismus. Unsere Zusammenarbeit gipfelte deshalb konsequent in dem Film "George", in dem Götz seinen Vater Heinrich spielte. Götz ist sicher einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Seine ungeheure Sensibilität, seine emotionale Intelligenz und sein Sanftmut berühren mich privat bis heute. Und beruflich haben mich als Regisseur und Produzent seine Lebensneugier, sein Instinkt für komplexe Persönlichkeiten und seine radikale Empathie für Menschen tief geprägt – wie sicher auch viele andere Kolleginnen und Kollegen. Götz zu kennen, zu erleben, das war für alle ein Geschenk. Umso wichtiger bleibt heute das Wirken der GÖTZ GEORGE STIFTUNG und das ehrliche Engagement von Marika George, die sein Vermächtnis an die nächsten Generationen weitergibt. Götz, Du fehlst uns sehr, aber Deine Energie, die bleibt. (Foto: T. Kost/SWR)

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