Post by Moritz Baumstieger
Journalist
Richard Wagner schrieb antisemitische Pamphlete, Nazigrößen liebten seine Werke und kamen gern nach Bayreuth, die frühere Festspielleiterin Winifred Wagner bekannte noch 1975: „Wenn Hitler heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“ Und wie ernst meint man es heute bei den Bayreuther Festspielen mit der Aufarbeitung? Nicht so wirklich ernst, war das Ergebnis einer Recherche für die Süddeutsche Zeitung: Zum 150. Jubiläum der Festspiele lud Komponisten-Urenkelin Katharina Wagner den Publizisten Michel Friedman ein, um über das schwierige Erbe zu sprechen und um jüdischen Musikern zu gedenken, die während der NS-Zeit ausgegrenzt und ermordet wurden. Und nun, sechs Wochen vor Beginn? Fällt den Organisatoren in Bayreuth auf, dass sie die Durchführung des Gedenkkonzerts wegen "Sicherheitsbedenken" nicht stemmen können. Seltsam: Ein Vorverkauf hatte bislang nicht einmal begonnen: https://lnkd.in/gzABXyaK Mit meinem Kollegen Alexander Gorkow habe ich anschließend einen verstörten Michel Friedman interviewt, der sagt: Der Boden in Bayreuth sei vergiftet, er hätte dennoch gerne dort gesprochen - "gerade dort, wo bisher solche Themen eher verdrängt wurden". Die Absage nun? Sei "ein Offenbarungseid". https://lnkd.in/gfx8Cbqp