Post by Miriam Scharlibbe
Chefredakteurin Mannheimer Morgen, Schwetzinger Zeitung, Bergsträßer Anzeiger I Moderatorin I Journalistin aus Leidenschaft | Nordlicht im Süden & Teamplayerin im schönsten Job der Welt
Schon vor 11.34 Uhr liegt eine Stille über dem Marktplatz. Menschen bleiben am Brunnen stehen, lesen die Tafel. Manche verharren wenige Sekunden, andere deutlich länger. Ein Vater schiebt einen Kinderwagen über den Platz. Seine Töchter jagen den Rosenblättern nach, die der Wind von den drei Sternen im Kopfsteinpflaster weggeweht hat. Kindliche Freude an einem Ort der Trauer. Sanfte Ermahnungen auf Arabisch. Die etwa eineinhalb und drei Jahre alten Schwestern müssen die eingesammelten Blätter wieder zurückbringen. Ihr Vater legt sie sorgfältig in einem Halbkreis um die Sterne. Er sei selbst Polizist gewesen, damals in seiner Heimat Algerien, erzählt er. Seit zehn Jahren lebt er in Mannheim und arbeitet für einen Sicherheitsdienst. Das Attentat habe ihn tief getroffen. „Ich bin Moslem“, sagt er. „Das, was hier passiert ist, ist einfach schlimm. Wir Menschen dürfen so etwas nicht tun.“ ….. Heute vor zwei Jahren starb Rouven Laur. Zwei Tage nach dem Messerangriff, bei dem fünf weitere Menschen schwer verletzt wurden. #Mannheim ist seitdem eine andere Stadt. Für Rouvens Familie, für seine Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei und für unsere Redaktion. Mein Kollege Sebastian Koch war an diesem 31. Mai vor Ort, nur wenige Minuten nach der später tödlichen Messerattacke auf den Polizisten, der andere Menschen beschützten wollte. Zwei Jahre später steht er einmal mehr vor den Blumen. Geht einmal mehr auf trauernde Menschen zu. Findet einmal mehr Worte für Unaussprechliches. Das ist die leise und so wichtige Seite von #Lokaljournalismus. Ich bin sehr stolz, dass wir solche Reporter beim Mannheimer Morgen haben. #mannheim #marktplatz #gedenken