Post by Michael Timmermann
Dort, wo Organisation funktioniert, entstehen erfolgreiche Produktion und ebenso lebendiges Ehrenamt.
Die kalkulierte Schlechtrednerei Warum der Alarmismus uns mehr schadet als nützt. Man kommt in diesen Tagen kaum an ihnen vorbei: düstere Studien, alarmierende Pressemitteilungen, Kampagnen von Wirtschaftsinitiativen wie der INSM, die im Wochentakt den Untergang des Standorts Deutschland heraufbeschwören. Das Narrativ bleibt stets gleich – nicht mehr wettbewerbsfähig, von Bürokratie erdrückt, kurz vor dem Abgrund. Um es auf den Punkt zu bringen: Diese Form der Kommunikation ist nicht nur destruktiv, sie ist schlicht kurzsichtig. Natürlich hat Deutschland handfeste Probleme. Niemand bestreitet den Reformstau bei der Digitalisierung, die zähe Bürokratie oder die Last der Energiepreise. Strukturkritik ist notwendig – sie ist der Motor jeder Veränderung. Doch was hier betrieben wird, hat mit konstruktiver Kritik wenig gemein. Es ist ein starrer Tunnelblick, der nur noch die eigene Agenda kennt und den Blick fürs Ganze längst verloren hat. Der verhängnisvolle Blick über den Tellerrand Das größte Problem dieser permanenten Untergangsrhetorik ist ihre Reichweite. Wer glaubt, die Kampagnen der Berliner Denkfabriken und Arbeitgeberverbände würden nur im Regierungsviertel gelesen, unterschätzt den globalen Wettbewerb gründlich. In Washington, Peking und Tokio sitzen Analysten, Investoren und Entscheider, die sehr genau registrieren, wie sich Deutschland selbst beschreibt. Wenn die eigenen Eliten im Wochentakt verkünden, der Standort sei gelähmt und nicht mehr investitionsfähig, dann wird das anderswo geglaubt – und als Schwäche verbucht. Wer investiert schon gern in ein Land, dessen eigene Wirtschaftsvertreter behaupten, dort gingen bald die Lichter aus? Mit ihrem inszenierten Alarmismus sägen diese Organisationen am Ast, auf dem wir alle sitzen – die Unternehmen, die sie vertreten, zuallererst. Ein klassisches Eigentor. Ein Geschäftsmodell auf Kosten des Standorts Dass erfahrene Strategen diesen Schaden in Kauf nehmen, folgt der Logik moderner Verbandsarbeit. Aufmerksamkeit ist die härteste Währung im politischen Berlin. Eine differenzierte Analyse, die neben den Schwächen auch die Stärken benennt – den innovativen Mittelstand, die duale Ausbildung, die nach wie vor hohe Lebensqualität –, schafft es weder in die Talkshows noch auf die Titelseiten. Also wird die Keule ausgepackt. Nur die Krise verkauft sich. Das ist kalkuliertes Marketing auf Kosten des Rufs unseres Landes. Statt Vertrauen in die eigene Stärke zu stärken und gemeinsam an pragmatischen Lösungen zu arbeiten, flüchtet man sich in Schwarzmalerei. Deutschland muss reformiert werden – ohne Frage. Aber man stärkt einen Standort nicht, indem man ihn im globalen Schaufenster systematisch kaputtredet. Es wird Zeit, dass diese Verbände in ihrem Berliner Echoraum ihre Kommunikation aus Sicht des Auslands begreifen und erkennen welchen Schaden sie damit anrichten. Alles andere bleibt, was es ist: schlicht kurzsichtig.