Post by Michael Nikolaus

Strategie, Klarheit und Wirkung für politische Veränderung

Es gibt Jobs, und es gibt Aufgaben. Es ist letzteres, dem ich mich seit 100 Tagen widme: als Kommunikationsleiter bei der SPD Hessen. Vor zwei Jahren noch hätte ich diese Vorstellung amüsant gefunden. Ein notorischer Auto-Werber, nahezu zwei Jahrzehnte in einer der kapitalistischsten Branchen überhaupt unterwegs, heuert bei der Sozialdemokratie an, der ältesten der noch existierenden Parteien in Deutschland. Aber irgendwie macht es Sinn. Mein Lebensweg hätte ohne die SPD anders ausgesehen. Es war die Entspannungspolitik unter Willy Brandt und Egon Bahr, die das Fundament für die spätere Wiedervereinigung gelegt hat. Es war sozialdemokratische Bildungspolitik, die es Menschen wie mir ermöglicht hat, aufs Gymnasium zu gehen, zu studieren, so etwas wie eine bescheidene Karriere zu machen. 1998, nach der gesellschaftlichen Erstarrung unter Helmut Kohl und dem Wahlsieg von Gerhard Schröder, dachte ich zum ersten Mal darüber nach, in die Partei einzutreten. Ich entschied mich anders, auch wenn ich mir im Rückblick eine lustige Juso-Zeit ausgemalt hätte. Jetzt, in etwas gesetzterem Alter, also nun der ganze Schritt: in die Partei, in die Mechanismen des politischen Betriebs; hautnah dran am politischen Prozedere, das mir manchmal auch unverständlich und träge erscheint. In der heutigen Zeit für die SPD zu kommunizieren, setzt ein gutes Maß an idealistischer Leidensfähigkeit voraus. Überspitzt könnte man sagen, es ist, als würde man zu einer Party gehen, bei der gerade die Musik ausgemacht wird und sich die letzten Gäste vor dem Kater am nächsten Morgen fürchten. So zumindest die Außenwirkung. Ich nehme es anders wahr: In den letzten Wochen habe ich jede Menge Menschen getroffen, denen sozialdemokratische Werte am Herzen liegen. Die sich engagieren – häufig im Ehrenamt – und sich große Sorgen machen, was den gesellschaftlichen Klimawandel betrifft. Und ich erlebe den Gegenwind, der den demokratischen Parteien gerade entgegenschlägt. Eine Zeit, in der es nicht mehr um das Ringen um die beste Lösung geht, sondern in der von den Gegnern der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung und einer offenen Gesellschaft gezielt gegen alles und jeden geschossen wird, der nicht ihrer Weltsicht entspricht. Gegen diese Entwicklung zu kommunizieren, ist ein mühsamer Prozess. Das Gute: Ich tue es nicht allein. Sondern mit einem Team, das Sozialdemokratie lebt, das engagiert und hungrig ist. Und das mir dabei hilft, mich in einer völlig fremden Welt zurechtzufinden. Einer Welt von Parteitagen, Lageschalten, Fraktionssitzungen – Dingen, mit denen man als Werber nicht unbedingt in Berührung kommt. 100 Tage. Zu wenig Zeit, um bereits alles zu verstehen. Aber genug, um zu wissen, worum es geht. Ja: Das ist eine große Verantwortung – und so fühlt es sich auch oftmals an. Aber es ist eben nicht einfach ein Job. Sondern eine Aufgabe. #SPD #Demokratie #Kommunikation #Leadership #Storytelling

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