Post by Michael Korinek
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Normgerechte PSA: Wer haftet, wenn der Schutz versagt? --- Vor ein paar Wochen hatte ich ein Gespräch mit einem Einkaufsleiter aus dem Baugewerbe. Sein Satz hat mich nicht losgelassen: „Wir kaufen Sicherheitsschuhe — irgendwelche, die EN-zertifiziert aussehen." Irgendwelche, die zertifiziert aussehen. Das ist kein Einzelfall. Ich höre das öfter, als mir lieb ist. Und genau da liegt das Problem — denn „sieht zertifiziert aus" ist rechtlich wertlos, wenn es drauf ankommt. --- Lass mich konkret werden. PSA — persönliche Schutzausrüstung — unterliegt in Deutschland der DGUV-Vorschrift 1 und der EU-Verordnung (EU) 2016/425. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, geeignete, normgerechte PSA bereitzustellen, auf den Betrieb abgestimmt. Nicht irgendeine. Die richtige. Was „normgerecht" bedeutet: Ein Sicherheitsschuh mit dem Aufdruck EN ISO 20345 und der Klasse S3 erfüllt definierte Mindestanforderungen — durchtrittsichere Sohle (Klasse P), Zehenschutzkappe, Wasserdichtigkeit. Das steht drin, wenn die CE-Kennzeichnung und die Herstellerdokumentation stimmen. Stimmt die Dokumentation nicht, oder ist die PSA gefälscht — und ja, das gibt es auf dem Markt — haftet der Arbeitgeber persönlich. Nicht der Lieferant. Nicht der Hersteller irgendwo in Fernost. --- Was ich in meiner täglichen Arbeit sehe: Viele Betriebe kaufen PSA ausschließlich nach Preis. Das ist ihr gutes Recht. Aber der günstigste Sicherheitsschuh auf einer No-Name-Plattform ohne vollständige technische Dokumentation, ohne nachvollziehbare Konformitätserklärung — der wird zum echten Risiko, wenn ein Unfall passiert und die Berufsgenossenschaft nachfragt. Und die fragen nach. Sehr genau. --- Was ich meinen Kunden empfehle — ganz unabhängig vom Budget: Erstens: Verlangt die vollständige Konformitätserklärung (DoC) für jedes PSA-Produkt. Die muss der Lieferant liefern können, ohne zu zögern. Zweitens: Gleicht die Schutzkategorie mit der Gefährdungsbeurteilung ab. PSA Kategorie III — also Schutz gegen tödliche Gefahren, z. B. Chemikalienschutzhandschuhe oder Atemschutz — erfordert eine gesonderte Unterweisung und Dokumentation. Drittens: Haltet Liefernachweise, Einweisungsprotokolle und Tragepflichten schriftlich fest. Das klingt bürokratisch. Im Schadensfall ist es euer einziger Schutz. --- Acht Jahre im Vertrieb von Workwear und PSA haben mir eines gelehrt: Der Preis der richtigen PSA ist fast immer niedriger als der Preis des falschen Produkts — gemessen an Bußgeldern, Haftungsansprüchen und im schlimmsten Fall: einem vermeidbaren Unfall. --- Wie handhabt ihr das in eurem Betrieb — gibt es eine strukturierte Beschaffungsstrategie für PSA, oder läuft das noch über „irgendwas mit CE-Zeichen"? #psa #arbeitssicherheit #workwear