Post by Max Feichtenbeiner
Bauingenieur bei SK Holzbau GmbH | Bauingenieurwesen
Über 6 Monate Sanierung an einem Mehrparteienhaus – wegen zwei falsch ausgeführten Dacheinläufen und einer mangelhaften Flachdachabdichtung. Schlechte Werbung für den Holzbau? Nein! Ein Paradebeispiel für das, was aktuell in der gesamten Baubranche schiefläuft und ein lauter Weckruf an Bauherren, Planer und Handwerker vor Ort! Das Ausmaß nach gerade einmal 8 Jahren Standzeit: Weil Details an Entwässerung und Abdichtung fehlerhaft ausgeführt wurden, lief unbemerkt Wasser in die Konstruktion. Die Folge: Wohnungen wurden entkernt, die Struktur statisch ertüchtigt. Ein gigantischer Schaden, der jede vermeintliche Ersparnis bei der Erstellung komplett ins Lächerliche zieht. Aktuell regiert am Bau fast überall der Rotstift. Gespart wird meist bei den vermeintlichen Kleinigkeiten – an Anschlüssen, Abdichtungen, Übergängen oder Materialien, die nach der Fertigstellung unsichtbar im Bauteil verschwinden. Doch für das gesamte Gebäude gilt eine goldene Regel: Es gibt absolut null Toleranz für Fehler bei den konstruktiven Grundlagen. Hier stoßen wir auf das größte Paradoxon unserer Branche: Im Baugewerbe und vor allem im Handwerk wird wie selbstverständlich erwartet, dass die Arbeit maximal schnell erledigt wird, bautechnisch perfekt ist und am Ende fast nichts kostet. In welcher anderen Industrie wird diese absurde Erwartungshaltung akzeptiert? Wer einen Neuwagen kauft, erwartet zum Einstiegspreis auch keine Premium-Ausstattung. Warum sollte am Bau die Qualität für den billigsten Preis weichen? Fakt ist: Qualität hat ihren Preis. Fachkompetenz, faire Bezahlung, die nötige Zeit für Details und hochwertige Systemkomponenten kosten schlichtweg Geld. Wer das Budget des Handwerkers zusammenstreicht, kauft kein Schnäppchen, sondern das Risiko für den nächsten Sanierungsfall. Wenn die Detailplanung fehlt, die Zeit für die Umsetzung gedrückt wird oder am Fachpersonal gespart wird, ist das russisches Roulette mit Immobilienwerten. Vor lauter Fokus auf den Rotstift wird das Fundament für sicheres Bauen aus den Augen verloren. Wir müssen zurück zu einer ehrlichen Qualitäts- und Preiskultur am Bau: Bauherren müssen verstehen: Gute Handwerkerleistung gibt es nicht zum Schleuderpreis. Wer die Preise ins Bodenlose drückt, bezahlt die Zeche später bei der Sanierung dreifach. Spart bei der Ausstattung, niemals bei der Substanz! Planer müssen verstehen: Kritische Schnittstellen und gewerkeübergreifende Details müssen kompromisslos detailgenau geplant, fair vergeben und überwacht werden. Handwerker müssen verstehen: Ihr müsst den Mut haben, „Nein“ zu sagen, wenn eine fachgerechte Ausführung zu Dumpingpreisen oder in utopisch vorgegebener Zeit einfach nicht machbar ist. Qualität und das dafür nötige Budget haben ihren Preis – aber fehlerhafte Einsparungen an der Gebäudehülle können wir uns in der heutigen Zeit erst recht nicht mehr leisten. #Handwerk #Sanierung #Bautechnik #Kostendruck #Handwerkerkosten #Bauschaden #Projektentwicklung #Qualität #Bauen2026 #Bauwesen