Post by Matthias Zehnder
Publizist – Medien | Digitalisierung | Wissenschaft | KI – Texte, Keynotes, Medienkonzeption, Seminare | Herausgeber «Wochenkommentar» über Medien, Digitalisierung, KI | Verleger des Medienmagazins «Edito»
Der Hochmut, der uns blind macht: «Der arrogante Affe» von Christine Webb «Welch ein Meisterstück ist der Mensch», lässt Shakespeare seinen Hamlet staunen, «wie edel von Verstand, wie unerschöpflich in seinen Fähigkeiten, … im Handeln wie engelgleich, im Wahrnehmen gleich einem Gott: die Zier der Welt, die Vollendung der beseelten Kreatur!» Seit Shakespeare diese Sätze um 1600 geschrieben hat, ist unser Selbstbewusstsein nicht kleiner geworden, im Gegenteil. Christine Webb fragt deshalb: Wenn wir Menschen wirklich so viel klüger und besser sind als alle anderen Arten, «warum haben wir dann seit Jahrtausenden das Bedürfnis, diesen Punkt so zu betonen?» Die Antwort, die Christine Webb in diesem eindrücklichen Buch entwickelt, ist unbequem: Wir leiden an einem Überlegenheitskomplex. Dieser Komplex, schreibt sie, sei die eigentliche Wurzel der ökologischen Krise. Christine Webb ist Primatenforscherin am Department of Human Evolutionary Biology in Harvard. Sie hat den Grossteil ihres Berufslebens damit verbracht, Paviane in der Namib-Wüste, gerettete Schimpansen in sambischen Schutzgebieten und Rhesusaffen in New Yorker Forschungslabors zu erforschen. «Der arrogante Affe» – auf Englisch erschienen, ins Deutsche übersetzt von Stephanie Singh – ist ihr erstes Buch für ein breites Publikum: eine wuchtige Abrechnung mit dem Anthropozentrismus, also mit der fixen Idee, der Mensch sei «gleich einem Gott» die Krone der Schöpfung. Christine Webb vermittelt mit vielen Geschichten, Daten und Fakten anschaulich eine zentrale Erkenntnis: Wir sind nicht die einzigen, in deren Kopf «jemand zu Hause» ist. Das ist auch bei Elefanten und Delfinen, bei Eichhörnchen und Pavianen und vielleicht auch bei Schnecken der Fall. Christine Webb: Der arrogante Affe. Der Mythos der menschlichen Überlegenheit. Ullstein Buchverlage GmbH; ISBN 978-3-550-20232-2 MatthiasZehnder.ch – Gibt zu denken. #Sachbuch #Sachbuchtipp #Buchtipp #Lesetipp