Post by Martin Oppermann
Freier Buch- & Fachautor / Referent für Verteidigungsindustrie und industrielle Lieferketten
Absolute Zustimmung – aber mit einer harten Ergänzung: Produktion in Deutschland hat Zukunft. Aber nicht automatisch. Und schon gar nicht, wenn man glaubt, man könne Industrie dauerhaft halten, während Energie, Bürokratie, Abgaben, Regulierung und politische Standortverachtung weiterlaufen wie bisher. Der entscheidende Punkt ist: Es wandern nicht nur Produktionen ab. Es wandern inzwischen auch Bedarfe, Investitionsentscheidungen, Entwicklungsnähe und Kundenstrukturen ab. Und wenn der Bedarf weg ist, hilft auch das beste Fertigungs-Know-how irgendwann nicht mehr. Ja, Deutschland hat weiterhin echte Standortvorteile: technisches Know-how, duale Ausbildung, Prozessverständnis, Qualitätssicherung, kurze Wege, starke Ingenieur- und Facharbeiterkultur, Nähe zwischen Entwicklung und Fertigung, hohe Problemlösungskompetenz und belastbare Lieferketten bei komplexen Teilen. Aber diese Vorteile tragen nur, wenn die Industrie hier auch noch atmen kann. Wer heute noch glaubt, man könne Unternehmern, Mittelständlern und Produktionsbetrieben immer neue Lasten aufladen und gleichzeitig erwarten, dass sie aus Heimatliebe bleiben, verwechselt Standortpolitik mit Romantik. Und nein: Die Rüstungsindustrie wird nicht einfach alles kompensieren, was in Automotive, Maschinenbau, Zulieferindustrie, Energie- und Kernindustrie wegbricht. Defence kann Bedarfe erhöhen. Defence kann Kapazitäten binden. Defence kann industrielle Substanz teilweise stabilisieren. Aber sie ersetzt nicht die Breite einer gewachsenen zivilen Industriebasis. Genau deshalb braucht es jetzt klare Kante. Wer der Politik und den Verbandsfunktionären weiter den roten Teppich ausrollt, während der industrielle Mittelstand schrittweise unter Druck gerät, wird irgendwann vor zwei Optionen stehen: Insolvenz oder Ausland. Produktion in Deutschland ist kein Selbstläufer mehr. Sie bleibt nur dort, wo Leistung, Standortbedingungen und politischer Wille wieder zusammenpassen. Und darüber sollte man endlich ehrlich reden – ohne Sonntagsreden, ohne Standortfolklore und ohne das ewige „Wird schon irgendwie“.