Post by Martin Hormuth
Founder & Principal at PHL | International Real Estate · Project Development · BESS · Workout Management | 25+ Years · €1.2B+ Transaction Volume | DE · CEE · Dubai
Auf Jeju stehen Windräder bei kräftigem Wind reglos da. In Deutschland werden sie aus dem Wind gedreht. Zwei Länder, dasselbe Bild — und überraschend: dieselbe Lösung. Ich war diese Woche bei der Deutsch-Koreanischen Energiepartnerschaft. Am meisten beschäftigt hat mich nicht, wie unterschiedlich beide Stromsysteme sind — sondern wie ähnlich ihr Kernproblem ist. Deutschland hat 2023 rund 10 TWh grünen Strom abgeregelt. Ursache: ein Transportproblem — der Windstrom aus dem Norden kommt nicht zu den Verbrauchszentren im Süden. Korea hat dasselbe Phänomen aus dem entgegengesetzten Grund: ein lokales Überschussproblem. Auf Jeju, Koreas Insel mit dem höchsten EE-Anteil, drückt mittags so viel Solar- und Windstrom ins Verteilnetz, dass abgeregelt werden muss. Die Folge war drastisch: Aus Angst vor Abregelung brach der Zubau neuer Windkraft ein — von 1,6 GW (2019) auf rund 240 MW (2020). Und doch zeigt gerade Jeju, wohin die Reise geht: Am 14. April 2025 lief die Insel erstmals einen ganzen Tag zu 100 % auf Erneuerbaren. Der entscheidende Satz fiel auf einer der koreanischen Slides. Korea will den Überschuss nicht wegwerfen, sondern — wörtlich — „in Nachfrage verwandeln": Tagesstrom lokal speichern, in der Abendspitze nutzen, Flexibilität vergüten. Dazu ein Markt-Pilot auf Jeju, der genau das anreizt und aufs Festland ausgeweitet werden soll. Das ist exakt die Funktion eines Batteriespeichers — und der Grund, warum mich der Vergleich elektrisiert: Deutschland und Korea kommen von zwei verschiedenen Engpässen zur selben Antwort. Transport hier, lokaler Überschuss dort — beide enden bei dezentralen Speichern, die Überschuss aufnehmen und zeitlich verschieben. Als BESS-Entwickler sage ich aber auch, was unbequem ist: Bei einem reinen Netzengpass hilft ein Speicher nur, wenn er auf der richtigen Seite des Engpasses steht. Und eine Subvention baut Projekte, kein Marktdesign. Genau deshalb finde ich Koreas Jeju-Pilot spannender als jede Förderung: Er macht aus „Überschuss" einen handelbaren Wert — und das trägt über den nächsten Haushalt hinaus. Die eigentliche Frage ist überall dieselbe: Behandeln wir abgeregelten Strom als unvermeidbaren Verlust — oder als das Nachfragesignal, das er ist? #BESS #Batteriespeicher #Energiewende #Korea #Flexibilität